Mit seinem Einzug in das Halbfinale der 400-Meter-Sprinter bei den Olympischen Spielen schrieb Oscar Pistorius (25) Geschichte.

Der beinamputierte Läufer, der gegen die Bebeinten antrat, sicherte sich mit überragenden 45,44 Sekunden Platz 2 und qualifizierte sich damit direkt für das Halbfinale, das am heutigen Sonntag ausgetragen wurde. Am Abend verließ ihn jedoch sein Glück, denn der Südafrikaner mit den zwei amputierten Unterschenkeln wurde abgeschlagen Letzter. Mit 46,54 Sekunden blieb ihm nur noch der letzte Rang und die Enttäuschung über den verpassten Einzug. Sieger und Weltmeister Kirani James aus Grenada, der mit 44,59 Sekunden alle anderen abhängte, begeisterte jedoch mit einer sehr untypischen Geste. Er tauschte seine Nummer mit Pistorius, ähnlich wie es die Fußballer nach einem Spiel machen, und erhielt dafür tosenden Applaus. Chancen auf eine Medaille hat der „Blade Runner“, wie er genannt wird, aber trotzdem noch. Mit der 4x400-Meter-Staffel, die bei der WM in Südkorea bereits Silber gewonnen hat, könnte es Pistorius doch noch aufs Treppchen schaffen. Sollte der Athlet überzeugen, so wäre er der erste behinderte Sportler seit 60 Jahren der sich eine Medaille bei den Olympischen Spielen sichern würde.

1948 und 1952 gewann der aus Ungarn stammende Karoly Partyka im Schießen jeweils Gold – er verlor seine Hand bei einer Granaten-Explosion. Mit den Sommerspielen ist für Oscar Pistorius aber noch längst nicht Schluss. Er möchte auch bei den Paralympics in London teilnehmen. 2008 in Peking gewann er bereits Gold über 100, 200 und 400 Meter.