Die miesen Zahlen sind keine Überraschung: Nur 1,91 Millionen Zuschauer wollten gestern Abend auf RTL die Wild Girls sehen, satte 700.000 Menschen weniger als zum Start in der Vorwoche – und das trotz des attraktiven Sendeplatzes um 20.15 Uhr. Noch bevor es in der Wüste richtig losgeht, hat sich der Zuschauer von dem Format verabschiedet. Aus gutem Grund. Wir nennen die fünf Gründe für das Quoten-Debakel.

Das Show-Format Wild Girls gehört (ohne Kameras) in die Wüste,

1. ...weil die Kandidaten alle ihre Geschichte schon erzählt haben

Die Produzenten von UFA Entertainment haben am Zuschauer-Interesse vorbeigecastet. Beispiel Kader Loth: Die Gute lag schon bewusstlos im Big-Brother-Haus, badete im Format "Die Burg" in einer Wanne, in die vorher Prinz Frédéric von Anhalt (70) und Touché-Karim Maataoui gepinkelt hatten, bewarf das Duo danach bei einem Handgemenge während des Abendessens mit Marmelade. Okay, sie ließ sich in der Wüste von Eingeborenen an die Brüste fassen. Aber die haben wir auf der Alm sogar schon blank gesehen. Oder Sarah Knappik (26): Was soll die Arme da draußen schon noch ausrichten, nachdem sie das Dschungelcamp mit inflationären Weinkrämpfen, Zickereien und Rekord-Ausrastern bereichert hat? Ähnliches lässt sich über die anderen Kandidaten auch sagen. Die Wild Girls sind vor allem deshalb langweilig und schlecht gecastet, weil wir sie fast alle schon in Extremsituationen gesehen haben.

2. ...weil die Kandidaten keine Fallhöhe haben

TV-Zuschauer sind Voyeure: Sie wollen dabei sein, wenn alternde Stars für eine schnelle Mark ihre Würde aufs Spiel setzen. Wie ein Mensch, dem früher die (Glitzer-)Welt gehörte, im angeschwitzten Unterhemd und mit Schlapphut Ameisen isst, um eine Runde weiterzukommen beziehungsweise eine Stunde länger wieder im Rampenlicht stehen zu dürfen - das wollen die Menschen sehen. Die Quote macht das Dschungelcamp nicht mit DSDS-Sternchen wie Joey Heindle (20) oder Kim Debkowski (20), sondern mit Altstars wie Helmut Berger (69), Brigitte Nielsen (50) oder Ingrid van Bergen (82). TV-Ikonen, mit denen man sich dann wiederum auch freut, wenn sie sich in ungewohnter Rolle behaupten, im Dschungel kleine Siege feiern – und nur stolpern, nicht abstürzen. Der Lohn: Warme Anerkennung für das eingegangene Risiko (siehe Würde für schnelle Mark)! Die Fallhöhe der Wild Girls aber hält sich in Grenzen.

3. ...weil es keine Sympathieträger gibt

Was haben die Promi-Formate für unverhoffte Sympathieträger hervorgebracht: Joey Heindle! Brigitte Nielsen! Ross Antony (39)! Jedes Promi-Format braucht Menschen, die man sich wirklich gerne ansieht, die man einfach mag. Praktisch: Durch den Kontrast zu Sympathieträgern entstehen erst Zicken wie Sarah Knappik und Georgina Fleur (23). Sympathieträger und Sündenböcke bedingen sich gegenseitig, brauchen einander. Und wie viele Sympathieträger hat man, wenn man sich nur Zicken castet? Na?

4. ...weil es keine krassen Konstellationen mehr gibt

Wenn Joey Heindle ins Dschungelcamp einzieht, wird’s lustig (siehe Sympathieträger). Wenn Helmut Berger ins Dschungelcamp einzieht, wird’s spannend (siehe Fallhöhe). Magisch wird es aber erst, wenn die beiden zusammen Feuer machen. Trash-Magie ist, wenn 80er-Ikone Brigitte Nielsen ein Ex-DSDS-Sternchen namens Kim Gloss und einen unehelichen Sohn von Uwe Ochsenknecht (57), Rocco Stark (27), gerührt in die Arme schließt und sagt: "Das ist sooo Spaß! Wir werden für immer Freunde bleiben!" Oder wenn ein Alt-Adeliger sich für Blödsinn mit einem Ex-Boygroup-Sänger zusammengaunert (siehe Badewannen-Eklat). Konstellationen dieser Art gibt es in der Wüste nicht. Alle kommen aus der gleichen (Glamour-)Welt. Das ödet an.

5. ...weil das Ganze noch nicht einmal live ist

Die Kandidaten sind schon lange wieder zurück in Deutschland. Beliebtes Live-Schalten wie im Dschungel oder die Möglichkeit für TV-Zuschauer, ins Geschehen einzugreifen, gibt es nicht. Stattdessen: Konserven-TV mit überaus vorhersehbaren Ereignissen - und mittlerweile auch noch schlimmen Aussetzern. Tiere haben es im Fernsehen ja generell nicht leicht. Aber was die "Wild Girls" in der gestrigen Folge mit den Ziegen veranstalteten, grenzte an Tierquälerei.

Fazit: Die Produktionsfirma UFA Entertainment hat mit Wild Girls einen erwartbaren Quoten-Flop produziert. Wer so uninspiriert Kandidatinnen sucht, indem er alles auf platten Zicken-Terror setzt und seine wie Zick-Uhren aufgezogenen Damen nur aufeinander und auf Ziegen statt auf irgendeine geistreiche Story-Linie loslässt – und das Ganze auch noch vor Monaten macht und jetzt erst wiederkäut, der ist selbst schuld. Viel besser haben es die Produktions-Kollegen von itv studios zuletzt gemacht: Die ebenfalls für RTL produzierten Formate Dschungelcamp und Der Bachelor haben zwar auch ihre Längen, überzeugen aber durchs Konzept, spannende Konstellationen und Stories sowie hochwertig produzierte Bilder - echter Premium-Trash.

Im kommenden Monat geht mit "Reality-Queens auf Safari" bei ProSieben ein fast identisches Format auf Sendung. Floppt auch diese "Idee", aus wohl ähnlichen Gründen, droht das Ende einer kleinen TV-Ära. Dann nimmt das Schicksal der "Promis-Irgendwohin-und-dann-mal-gucken"-Idee den gleichen Lauf wie das der einst so gefeierten und heute so unbeweglichen Casting-Shows: gefeiert – zu viele zu bemüht produzierte Kopien – finito.

Fiona Erdmann bei der Fashion Week in Berlin im Januar 2017
Matthias Nareyek/Getty Images for Lena Hoschek
Fiona Erdmann bei der Fashion Week in Berlin im Januar 2017


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