"Sex sells", das wissen wir ja schon lange. Besonders in der Musik-Branche scheint dieses Motto neuerdings aber Überhand zu nehmen. Was früher geschickt dosiert jedem Video-Clip den nötigen Pfiff und "Wow"-Effekt verlieh, entlockt uns heute nur noch ein gelangweiltes Gähnen. Vorbei sind die Zeiten, als man sich die Hand vor den Mund hielt, wenn Christina Aguilera (32) ganz dirty den Boxring betrat. Aus Musik mit einer Prise Sex ist mittlerweile Sex mit einer Prise Musik geworden.

Knappe Outfits waren gestern. Nackt ist das neue Schwarz und Vulgär das neue Sexy. Doch eine Sache ist besonders erschreckend an dieser Entwicklung. Es sind nicht etwa irgendwelche minder-talentierten C-Klasse Künstler, die auf diese Strategie bauen, sondern tatsächlich erstklassige Stars, die es eigentlich gar nicht nötig hätten. Warum also das Ganze? Die Lösung des Rätsels lautet: Konkurrenzdruck.

Es war einmal eine junge Dame namens Stefani Joanna Germanotta. Sie träumte von einer großen Musik-Karriere, hatte auch das Zeug dazu, aber das hatten auch viele andere. Was also tun? Auffallen und polarisieren heißt der Schlüssel zum Erfolg. Also fand sie als Lady GaGa (27) ihre Nische - eine sehr breite und erfolgreiche, wie wir mittlerweile wissen - und stellte ihre Arbeit ganz ins Zeichen der Andersartigkeit. Doch auch andere Künstler erkannten schnell das Potenzial hinter dem Konzept und so wurde das, was zunächst neu und aufregend war, schnell alltäglich. Es musste also etwas Neues her. Viel Haut und wenig Stoff hatte es ja schon gegeben. Darum nun also nur Haut und gar kein Stoff. So kletterte der Maßstab für Freizügigkeit an sein Maximum.

Einige Zeit später fand diese Strategie auch bei einer anderen jungen Dame Anklang. Anders als Lady GaGa hatte diese allerdings neben der unerbitterlichen Konkurrenz noch ein weiteres Problem. Sie steckte im Teenie-Image fest. Es musste also etwas her, was sie nicht nur von ihren Artgenossinnen abhob, sondern auch eine dauerhafte Laufbahn in der Erwachsenen-Welt gewährleistete. Also verzichtete sie, ähnlich wie Lady GaGa, einfach mal auf Kleider, nach und nach immer mehr, bis nichts mehr übrig war, und würzte das Ganze noch mit einer gehörigen Portion Obszönität. Fertig war die Miley Cyrus (20)-Interpretation von "Sex sells".

Und während Rihanna (25) so auf Barbados saß und das Ganze beobachtete, sah sie unter all diesen Entwicklungen das Erfolgs-Schiff ohne sich davonsegeln. Also sprang sie gerade noch rechtzeitig auf und beschloss sich dafür nun aber doppelt und dreifach ins Zeug zu legen. Man nehme also von allem etwas und übertreibe es dann so maßlos, dass den anderen beiden Hören und Sehen vergeht. So präsentiert sich die 25-Jährige in ihrem neusten Video als Mutation aus Lady GaGa und Miley Cyrus und twerkt, reibt und räkelt sich in einem skurrilen und zugleich hoch-vulgären Outfit über die Bildschirme, dass einem die Schamesröte ins Gesicht steigt.

Hat das alles mit Kunst überhaupt noch etwas zu tun? Nicht nur, dass die genannten Damen den Sex-Aspekt mittlerweile so bis zum Anschlag ausgereizt haben, dass jedes anständigere Video dagegen wie eine Kinder-Geburtstagsfeier aussieht - sorry, Britney (31). Auch das Bild, das sie damit ihren Fans und anderen aufstrebenden Newcomern vermitteln, ist nicht gerade gut zu heißen: Talent ist nichts mehr wert, wer erfolgreich sein will, muss Hüllen und Niveau fallen lassen. Je billiger, desto besser. Eine Einstellung, die viele Mütter sich nicht unbedingt für ihre Teenie-Töchter wünschen würden.

Einen Lichtblick gibt es aber doch, denn ein Ende ist absehbar. Nackter als nackt geht schließlich nicht und bis zum Porno fehlt so manchem Video jetzt schon nicht mehr viel. Und die Vergangenheit beweist: Je mehr Stars die selbe Taktik fahren, umso wahrscheinlicher ist es, dass der Trend bald eine Wende erfährt, schließlich möchte man den Fans ja nicht überdrüssig werden. Vielleicht gibt es also bald wieder ein Video von Rihanna, Miley oder Lady GaGa im hochgeschlossenen Rollkragen-Outfit. Das würde uns tatsächlich wieder verblüffen. Doch dann könnte man sich endlich mal wieder auf die Musik konzentrieren - ganz ohne Fremdschämen.

Chris Brown und Rihanna bei den Grammy Awards 2013 in Los Angeles
Getty Images
Chris Brown und Rihanna bei den Grammy Awards 2013 in Los Angeles
Christian Carino und Lady Gaga beim "ELLE's 25th Annual Women Award" in Los Angeles
Getty Images
Christian Carino und Lady Gaga beim "ELLE's 25th Annual Women Award" in Los Angeles
Katy Perry und Russell Brand in Los Angeles 2011
Getty Images
Katy Perry und Russell Brand in Los Angeles 2011


Tipps für Promiflash? Einfach E-Mail an: tipps@promiflash.de