Shirin David wirft Journalisten sexistische Doppelmoral vor

Shirin David wirft Journalisten sexistische Doppelmoral vor

- Anita Ehlert
Lesezeit: 3 min
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Shirin David (31) lässt die Kritik an ihrer Reaktion auf die Netflix-Dokumentation "Barbara – Becoming Shirin David" nicht unkommentiert. In ihrer Instagram-Story wehrt sich die Rapperin am 1. September gegen einen Meinungsartikel des stern und wirft dessen Autor einen geschlechtsspezifischen Doppelstandard vor. Der Autor mache ihren Anspruch auf Kontrolle und Perfektion zum Problem – während dieselben Eigenschaften bei Männern als Autorität, Genialität oder visionäres Schaffen durchgehen würden. Um diesen Unterschied deutlich zu machen, zieht Shirin einen prominenten Vergleich heran: "Wenn ein Christopher Nolan jedes Detail seiner Produktionen kontrolliert, gilt er als kompromissloser Perfektionist und Visionär. Bei mir wird derselbe Anspruch plötzlich zum Charakterdefizit: kontrollierend, schwierig, überfordert", schreibt sie in ihrer Story. Den von ihr wahrgenommenen Gegensatz bringt sie auf eine knappe Formel: "Männliche Kontrolle wird als Autorität gelesen. Weibliche Kontrolle als Kontrollzwang. Männlicher Perfektionismus = Genialität. Weiblicher Perfektionismus = schwieriger Charakter."

Der Auslöser-Text des Magazins hatte Shirins Unzufriedenheit mit ihrer eigenen Dokumentation aufgegriffen und die Frage aufgeworfen, ob Druck und der Verlust von Kontrolle nicht schlicht zum Preis der Berühmtheit gehörten. Besonders scharf kritisiert die Musikerin eine Passage, die Frauen aus ihrer Sicht auf ihr Äußeres und ihre öffentliche Selbstdarstellung reduziert. "Sprache prägt Gesellschaft. Wenn ein Journalist eine Frau, die öffentlich Kritik äußert, sinngemäß auffordert, doch lieber hübsch auszusehen und Selfies zu posten, bedient er ein jahrhundertealtes Muster: Frauen dürfen sichtbar sein – aber nur, solange sie nicht zu laut werden, widersprechen oder Deutungshoheit beanspruchen", schreibt sie. Das Recht auf eine eigene Meinung spricht sie dem Autor dabei ausdrücklich nicht ab: "Welche Gesellschaft möchte ein Journalist mit seiner Sprache mitprägen und welche Verantwortung übernimmt ein Magazin dafür, wenn es diese Sprache unter seinem Namen veröffentlicht?" Ihr Fazit lautet: "Feminismus kann nicht nur dort stattfinden, wo er sich gut als Kolumne drucken lässt. Er muss sich auch im eigenen journalistischen Umgang mit Frauen zeigen."

Hinter der Debatte steht Shirins Distanzierung von "Barbara – Becoming Shirin David". Die Dokumentation erschien im März 2026 und sollte die Person hinter dem Star zeigen. Im Fokus standen jedoch vor allem Perfektionismus, Selbstzweifel und der Druck der Musikbranche. Fünf Monate nach der Veröffentlichung erklärte die Künstlerin in einer Fragerunde auf Instagram, dass sie sich in der Erzählweise nicht angemessen wiedergegeben fühle. Aus ihrem Leben sei ihrer Ansicht nach das Bild einer überforderten Frau geformt worden, während ihre Perspektive und ihr professioneller Anspruch zu wenig Raum bekommen hätten. Dass sie sich überhaupt mit der Darstellung ihres Lebens beschäftigt, verteidigt sie: "Gerade bei einer Dokumentation über das eigene Leben ist es außerdem vollkommen legitim, sich damit auseinanderzusetzen, welche Geschichte aus dem eigenen Material konstruiert wurde. Das anschließend als Beweis dafür auszulegen, dass sie 'um jeden Preis alles unter Kontrolle halten möchte', ist keine neutrale Beobachtung – es bedient den Doppelstandard."

Shirin David, September 2024
Instagram / shirindavid
Shirin David, September 2024
Shirin David, Rapperin und Unternehmerin
Instagram / shirindavid
Shirin David, Rapperin und Unternehmerin
Shirin David, Sängerin
Instagram / shirindavid
Shirin David, Sängerin
Könnt ihr Shirin Davids Vergleich mit Christopher Nolan nachvollziehen?
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