Prinz Harry konnte 20 Jahre lang nicht um Diana weinen

Prinz Harry konnte 20 Jahre lang nicht um Diana weinen

- Patricia Schlösser-Christ
Lesezeit: 3 min
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Prinz Harry (42) hat die Trauer um seine Mutter Prinzessin Diana (†36) jahrzehntelang verdrängt. In einem Interview mit GQ sprach der Herzog von Sussex offen darüber, dass er nach dem Tod seiner Mutter 20 Jahre lang nicht weinen konnte. Harry war gerade einmal zwölf Jahre alt, als Diana am 31. August 1997 im Alter von 36 Jahren nach einem Autounfall in Paris starb. Den schmerzhaften Verlust und das damit verbundene Trauma habe er lange unterdrückt. Erst eine Therapie habe ihm schließlich dabei geholfen, seine Gefühle überhaupt wahrzunehmen und die Trauer zuzulassen. "Die Therapie war das, was für mich wirklich alles verändert hat, denn sie gab mir die Erlaubnis zu trauern und anzuerkennen: Ja, seine Mutter zu verlieren, ist wirklich beschissen, und man darf deswegen weinen", erklärte er gegenüber dem Magazin.

Als die Tränen nach zwei Jahrzehnten endlich kamen, habe er dies als große Erleichterung empfunden. "Aber ja, endlich zu weinen, fühlt sich großartig an. Das tut es wirklich", schilderte Harry im selben Gespräch. Je stärker er zuvor versucht habe, Tränen zuzulassen, desto schwieriger sei es für ihn geworden. In der Therapie habe er erkannt: "Wow, ich war dem gegenüber völlig gefühllos." Heute könne Harry das Andenken an Prinzessin Diana ehren, statt sich von seiner Trauer herunterziehen oder zurückhalten zu lassen. Sein Leben sei seit dem Ende der Verdrängung zugleich besser und schwieriger geworden: Er könne sich emotional stärker mit Freunden, seiner Familie und vor allem mit seinen Kindern Prinz Archie (7) und Prinzessin Lilibet (5) verbinden, reagiere aber auch empfindlicher auf belastende Ereignisse. Für Harry kommt es deshalb auf die Balance an: "Im Leben geht es um Ausgewogenheit, oder? Es gibt Zeiten, in denen man in der Lage sein muss, all das auszublenden, und andere Zeiten, in denen man verletzlich und offen dafür sein muss", erklärte er seine Sicht auf die Dinge. Manchmal müsse er Negatives demnach ausblenden, zu anderen Zeiten verletzlich und offen bleiben.

Bei dem schweren Unfall in Paris kamen damals auch Dianas Partner Dodi Al-Fayed (†42) und ihr Fahrer Henri Paul ums Leben. Harrys älterer Bruder Prinz William (44) war zu diesem Zeitpunkt 15 Jahre alt. Rückblickend erklärte Harry, er habe mit zwölf Jahren weder vollständig begreifen können, was geschehen war, noch gewusst, wer er selbst eigentlich sei. Irgendwann habe ihn die Trauer jedoch etwa in Form von Panikattacken eingeholt. Seine innere Widerstandskraft sei mit den Herausforderungen seines späteren Lebens gewachsen. Dabei habe er erkannt, dass Trauer einen Menschen zurückhalten, aber auch dessen persönliche Entwicklung fördern könne. Den Umgang mit negativen Eindrücken habe er laut eigener Aussage noch nicht perfektioniert. "Es gibt Dinge, die in unserer Kontrolle liegen, und dann gibt es Dinge, die nicht in unserer Kontrolle liegen. Damit muss man umgehen und die Perspektive bewahren, dass die Dinge, die wirklich wehtun, wirklich gute Lektionen für einen sein können." Schmerzhafte Erlebnisse betrachtet er inzwischen somit als mögliche Lehrmeister – und konzentriert sich darauf, Kontrollierbares von Unkontrollierbarem zu trennen.

Prinzessin Diana und Prinz Harry
Collage: Getty/Getty
Prinzessin Diana und Prinz Harry
Prinzessin Diana, Prinz Harry, Prinz William und König Charles III. im September 1995
Imago
Prinzessin Diana, Prinz Harry, Prinz William und König Charles III. im September 1995
Prinzessin Diana, Prinz Harry und Prinz William 1995 in London
Getty Images
Prinzessin Diana, Prinz Harry und Prinz William 1995 in London
Wie findet ihr, dass Prinz Harry so offen über seine lange verdrängte Trauer spricht?