König Haralds letzter Auftritt kostete ihn wohl viel Kraft
Norwegen trauert um sein Staatsoberhaupt: König Harald V. (†89) ist am frühen Freitagmorgen im Alter von 89 Jahren gestorben. Der Monarch schlief im Rikshospitalet in Oslo friedlich ein, wo er seit Montag vergangener Woche behandelt worden war. Zuletzt war der Norweger am 22. Juli öffentlich aufgetreten: Gemeinsam mit seiner Ehefrau Königin Sonja (89) nahm er im Osloer Dom an einem Gedenkgottesdienst zum 15. Jahrestag der Terroranschläge von 2011 teil. Schon damals bemerkte Sunniva Gylver, die Bischöfin von Oslo, wie sehr Harald der Weg offenbar zusetzte. Gegenüber Dagbladet erinnerte sie sich nun an die Begegnung mit dem Königspaar, das sie damals im Dom empfangen hatte. Es sollte der letzte größere öffentliche Termin des Monarchen bleiben.
"Er nahm auf seine schöne Art am Gottesdienst teil, aber es wirkte, als koste es ihn viel, den Mittelgang auf und ab zu gehen", schilderte Sunniva ihre Eindrücke gegenüber dem Medium. Sie fügte hinzu: "Ich erinnere mich, dass ich dachte, dies sei vielleicht das letzte Mal, dass ich ihn so gehen sehe, und dass ich spürte, wie gern ich unseren König hatte und wie viel er für uns als Nation und als Einzelne bedeutete." Trotz seiner gesundheitlichen Beschwerden hatte Harald seine royalen Verpflichtungen bis zuletzt wahrgenommen. Am 17. Mai zeigte er sich auf dem Balkon des Schlosses und begrüßte den traditionellen Kinderumzug. Laut Programmarchiv absolvierte er seine festen Termine sogar noch bis zum 7. August. An seinem letzten offiziellen Arbeitstag empfing er den norwegischen Verteidigungsminister zu einer Audienz und nahm anschließend gemeinsam mit dem Kronprinzen an einer Sitzung des Staatsrats teil.
Sunniva war dem Monarchen mehrfach persönlich begegnet und beschrieb ihn gegenüber Dagbladet als "präsent und warmherzig". Besonders im Gedächtnis geblieben seien ihr sein ausgeprägter Humor und sein ansteckendes Lachen. Harald habe es verstanden, zugleich "volksnah und königlich" zu sein – einerseits nahbar und mitten unter den Menschen, andererseits ihr König. Die Bischöfin würdigte ihn als verbindende Persönlichkeit, die vielen Menschen das Gefühl vermittelt habe, gesehen zu werden. Auch an Haralds Ansprache nach den Anschlägen vom 22. Juli 2011 erinnerte sie sich: Seine Worte hätten Menschen über politische Grenzen hinweg zusammengeführt. Der verstorbene Monarch hatte den Thron 1991 nach dem Tod seines Vaters König Olav V. bestiegen.








