

Punkt um Punkt: Künstlerin Yayoi Kusama (†97) ist gestorben
Die japanische Kunstwelt trauert um eine ihrer bekanntesten Vertreterinnen: Yayoi Kusama ist am 14. August im Alter von 97 Jahren in einem Krankenhaus in Tokio gestorben. Bekannt gegeben wurde der Tod nun vom Yayoi Kusama Museum. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Kyodo war Multiorganversagen die Todesursache. Durch Polka Dots und knallige Kürbisse machte Yayoi ihre Bildsprache zu einem Markenzeichen der zeitgenössischen Kunst. Ihre begehbaren Spiegelräume zogen Besucher in Museen von Tokio über New York bis nach Berlin und zuletzt auch nach Köln ins Museum Ludwig, wo sie sogar einen Besucherrekord aufstellen konnte. Ihre Werke gingen für Millionen über die Theke. Auch in der Modewelt hinterließ sie ihre Spuren: Sie gestaltete Kollektionen für große Modelabels. Damit gehörte sie zu den wenigen Künstlerinnen, deren Bildsprache weit über die Galerien hinaus erkennbar wurde.
Hinter den lebensfrohen Farben stand allerdings eine emotionale Erfahrung. Ihre charakteristischen Punkte gingen auf Halluzinationen zurück, unter denen die Künstlerin nach eigenen Angaben seit ihrer Kindheit litt. Sie sah Punkt- und Netzmuster, die sich über ihre Umgebung legten, und hatte Angst, sich darin selbst aufzulösen. Genau dieses Gefühl übertrug sie in ihre Kunst: Aus der Bedrohung wurde eine künstlerische Methode, mit der sie Räume, Objekte und ganze Landschaften mit Punkten überzog. Diese Wiederholung wurde für Yayoi zur Suche nach Unendlichkeit – ihre Spiegelinstallationen mit dem Titel "Infinity Mirror Rooms" ließen Betrachter genau dieses Gefühl der Grenzenlosigkeit selbst erleben. Das Malen und Formen waren für Yayoi Therapie, ein Ventil und ein Mittel, um mit ihren Ängsten umzugehen. So konnte sie etwas nicht Greifbares in etwas Sichtbares umwandeln.
Aufgewachsen war Yayoi in einem strengen, autoritären Elternhaus in Matsumoto in der Präfektur Nagano. Ihr Verhältnis zu ihrer Mutter galt als schwierig. Sie soll herrschsüchtig gewesen sein, was die Beziehung sehr belastet haben soll. Nach einer prägenden Zeit in New York und der Rückkehr in ihre Heimat ließ sie sich 1977 freiwillig in eine psychiatrische Klinik im Tokioter Stadtteil Shinjuku einweisen. Dort lebte sie über Jahrzehnte, während sich ihr Atelier in unmittelbarer Nähe befand. Das Künstlerinnen-Dasein gab sie nie auf. Über ihr Vermächtnis sprach sie 2021 in einer Botschaft anlässlich einer großen Retrospektive im Berliner Gropius-Bau. "Ich möchte, dass die Menschen meine Kunst auch nach meinem Tod noch sehen und darin die Botschaft von Liebe und Frieden finden."






