"Jeder tätowierte Hiwi": Anja Kruse schießt gegen TV-Branche
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"Jeder tätowierte Hiwi": Anja Kruse schießt gegen TV-Branche

- Patricia Schlösser-Christ
Lesezeit: 3 min
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Anja Kruse (70) rechnet mit der heutigen Fernsehbranche ab und nimmt dabei vor allem den Einsatz reichweitenstarker Influencer in fiktionalen Produktionen ins Visier. Im aktuellen Interview mit Welt macht die Schauspielerin deutlich, dass Bekanntheit im Netz für sie kein Ersatz für solides Handwerk ist. "Eine große Reichweite in sozialen Netzwerken ersetzt nun einmal keine schauspielerische Ausbildung", betont sie. Ebenso kritisch sieht Anja, wie großzügig die Branche inzwischen mit dem Siegel "Star" umgeht. "Bitte lassen Sie das mit dem Star. Das ist so ein inflationärer Begriff. Jeder tätowierte Hiwi bei RTL ist ein Star", wettert sie gegenüber der Zeitung. Ihren deutlichen Worten stellt die 70-Jährige ihre eigene Laufbahn entgegen. Sie sei ausgebildete Schauspielerin, verfüge über jahrzehntelange Erfahrung vor der Kamera und habe in ihrer Karriere wiederholt Produktionen zum Publikumserfolg gemacht. Damit unterstreicht Anja, welchen Stellenwert professionelle Ausbildung und langjährige Praxis aus ihrer Sicht bei der Besetzung von Fernsehrollen haben sollten.

Ganz ausschließen will Anja zwar nicht, dass sich unter den Influencern vereinzelt auch schauspielerisches Talent finden könnte. Ihre bisherigen Erfahrungen scheinen sie davon jedoch nicht überzeugt zu haben. "Ich will auch nicht ungerecht sein. Sicherlich gibt es unter Influencern auch mal ein Naturtalent, eine Perle, obwohl ich noch keine kennengelernt habe. Selbst wenn es eine Ausnahme geben sollte, könnte ich mit der nicht spielen", erklärt sie im Interview. Ihr eigenes berufliches Selbstverständnis formuliert die Schauspielerin dabei unmissverständlich: "Ich bin ein Profi und war ein Quotenhit. Ich bin, was ich bin, und weiß, was ich kann." Doch nicht nur Influencerbesetzungen sorgen bei Anja für Ärger. Sie kritisiert auch, dass teilweise Darstellerinnen um die 40 künstlich älter gemacht würden, damit sie Großmütter spielen können. "Was soll der Quatsch? Es gibt genügend wunderbare und talentierte Schauspielerinnen im passenden Alter", stellt sie gegenüber der Zeitung klar.

Bekannt wurde Anja vor allem durch große Fernseherfolge der Achtziger- und Neunzigerjahre. Sie stand unter anderem für "Die Schwarzwaldklinik", "Forsthaus Falkenau" und Das Traumschiff vor der Kamera. Ihre jetzigen Aussagen sind dabei keine Kehrtwende, sondern knüpfen an Kritik an, die sie schon länger äußert. Anfang 2026 hatte sie im Gespräch mit dem Magazin Stern bereits den Jugendwahn der Sender angesprochen und darauf hingewiesen, dass ältere Schauspielerinnen benachteiligt würden. Damals kritisierte sie zudem, dass Kolleginnen ihres Alters während der Coronapandemie zeitweise als kaum versicherbare Risikogruppe behandelt worden seien. Auch das Thema Influencer hatte sie in dem Interview schon auf dem Zettel: Diese würden ausgebildeten Schauspielern Rollen in fiktionalen Formaten wegnehmen. Ihre erneuten Äußerungen machen deutlich, welche Anliegen ihr besonders am Herzen liegen – die Wertschätzung einer fundierten Ausbildung und mehr Chancen für erfahrene Kolleginnen.

Anja Kruse 2025
Getty Images
Anja Kruse 2025
Anja Kruse 2019
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Anja Kruse 2019
Anja Kruse beim Filmfest in München 2023
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Anja Kruse beim Filmfest in München 2023
Wie findet ihr Anjas klare Ansage an Influencer in TV-Rollen?
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