Dopingkontrolle verweigert? Drama um EM-Sprinter Owen Ansah

Dopingkontrolle verweigert? Drama um EM-Sprinter Owen Ansah

- Anja-Stine Andresen
Lesezeit: 3 min
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Owen Ansah (25) steht mitten in der Leichtathletik-EM im Zentrum eines Dopingfalls: Die Nationale Anti-Doping-Agentur wirft dem deutschen 100-Meter-Rekordhalter vor, bei einer unangekündigten Kontrolle am 9. Juli die Abgabe einer Probe nicht ordnungsgemäß ermöglicht oder gar keine Probe abgegeben zu haben. Nun bekommt der Sprinter prominente Unterstützung. Robert Harting (41), Diskus-Olympiasieger von 2012, hat sich in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber RTL klar auf die Seite des Sportlers gestellt. Er vermutet organisatorische Fehler beim Ablauf der Kontrolle und hebt hervor, dass Ansah angeboten habe, die Probe am Flughafen abzugeben. "Ansah hat zu keinem Zeitpunkt eine Dopingkontrolle verweigert", stellte Harting gegenüber dem Sender fest. Der frühere Weltmeister richtet daraus auch eine deutliche Forderung an die Anti-Doping-Agentur: "Die NADA muss das Verfahren gegen Ansah einstellen und akzeptieren, dass der Fehler bei ihr liegt."

Der Sprinter selbst schildert die Situation so: Er sei kurzfristig für das Diamond-League-Meeting in Monaco nachgerückt, habe sich auf dem Weg zum Flughafen befunden und unter erheblichem Zeitdruck gestanden. Kurz zuvor sei er zudem bereits auf der Toilette gewesen. Dem Kontrolleur habe er deshalb vorgeschlagen, ihn zum Flughafen zu begleiten und die Probe dort abzugeben. Harting hält es für denkbar, dass der Kontrolleur wegen weiterer Termine selbst in Eile war und Ansah deshalb nicht begleiten wollte. "Damit wäre der Fehler nicht beim Sportler zu suchen, sondern innerhalb der Organisation und Durchführung der Kontrolle", erklärte er. Eine Verweigerung sei damit vom Tisch. Der Diskuswerfer verweist außerdem auf negative Wettkampf- und Trainingsproben nach dem Vorfall: "Ansah ist sauber." Die NADA stellte den Läufer vor die Wahl, ihre Feststellungen zu akzeptieren oder ein Disziplinarverfahren vor dem Deutschen Sportschiedsgericht zu verlangen. Bei einer Zustimmung würde sich die im Raum stehende Sperre von vier auf drei Jahre verkürzen. Ansahs Anwalt kündigte bereits an, den Vorschlag abzulehnen. Der Streit könnte am Ende vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS landen.

Seine Unterstützung begründet Harting auch mit Erlebnissen aus seiner eigenen Karriere. "Diese Erfahrungen zeigen: Die NADA ist nicht fehlerlos. Auch Kontrolleure können Verfahrensfehler machen", sagte er. Nach eigenen Angaben habe er mehrfach Kontrollprotokolle korrigiert, bevor er sie unterschrieb, und bei Kontrolleuren Anweisungsfehler erlebt. Der Deutsche Leichtathletik-Verband hielt trotz des laufenden Falls an der EM-Nominierung des Sprinters fest. Sportlich hat sich das bereits ausgezahlt: Über 100 Meter holte Ansah Bronze. Für das Finale über 200 Meter qualifizierte er sich mit 20,04 Sekunden als schnellster Halbfinalist. Über diese Distanz hat seit 40 Jahren kein Deutscher mehr eine EM-Medaille gewonnen. Auf Starts in den Staffeln verzichtet der Läufer allerdings. Grund dafür ist, dass eine mögliche spätere Sperre auch dazu führen könnte, dass eine gemeinsam gewonnene Medaille wieder aberkannt wird.

Owen Ansah jubelt mit der deutschen Flagge nach Bronze über 100 Meter bei der EM in Birmingham
Getty Images
Owen Ansah jubelt mit der deutschen Flagge nach Bronze über 100 Meter bei der EM in Birmingham
Owen Ansah, Sportler
Getty Images
Owen Ansah, Sportler
Owen Ansah im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund
Getty Images
Owen Ansah im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund
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