"Schwarzwaldklinik"-Star Anja Kruse kritisiert Filmbranche
Anja Kruse (69) hat mit deutlichen Worten die deutsche Film- und TV-Branche kritisiert – und zwar jetzt, in einem Gespräch mit dem Magazin Stern. Die frühere "Schwarzwaldklinik"- und "Traumschiff"-Darstellerin erinnert sich an Zeiten, in denen über 20 Millionen Menschen einschalteten, und stellt dem die Gegenwart gegenüber. Ihr Vorwurf: Bei vielen Sendern herrsche Jugendwahn, ältere Kolleginnen würden an den Rand gedrängt. Besonders während der Corona-Pandemie sei es schlimm gewesen, als man Ältere kurzerhand zur nicht versicherbaren Risikogruppe erklärt habe. "So ein Schwachsinn", sagt Anja. Und noch ein Reizthema nennt sie: Influencer in fiktionalen Formaten, die ausgebildeten Schauspielerinnen und Schauspielern die Rollen wegnähmen.
Im Detail spart die Schauspielerin nicht mit Beispielen. "Großmütter werden von 40-Jährigen gespielt, die dann entsprechend geschminkt werden", sagt sie dem Stern. Dass Reichweite von Influencern die Qualität ersetze, will sie nicht gelten lassen: "Sie mögen viele Follower haben, aber mit Qualität vor der Kamera hat das nichts zu tun." Für sie selbst ist das Theater die Antwort auf verkrustete Programmpolitik: Dort entwickle man sich, lerne ständig dazu und spüre im Saal unmittelbar, ob ein Moment trägt. "Man sieht sofort, ob man die Menschen berührt", schwärmt sie.
Anja kam ursprünglich von der Bühne und landete über den Megahype der 80er im Fernsehen – ein Karriereknick in die andere Richtung, der ihr Leben prägte und sie zugleich zu ihren Wurzeln zurückführte. Kollegen aus ihrer Generation äußern sich ähnlich deutlich über die Branche. Michaela May (73) beklagte in Interviews ein "unterirdisches" Frauenbild und Rollen, die ältere Frauen auf Mütter und Omas reduzieren. Gesine Cukrowski (57) sprach von einem faktischen Ablaufdatum und wirbt für mehr Sichtbarkeit ab Mitte vierzig. Jutta Speidel (71) wiederum monierte, Männer bekämen in ihrem Alter selbstverständlich Hauptrollen. Anja betont heute den direkten Draht zum Publikum als ihr Glück – der Applaus, der Blickkontakt, die Energie eines Abends, die sich nicht schneiden, messen oder in Follower-Zahlen pressen lässt.







