Finlay Tarling starb bei Rennen: Bruder tritt trotzdem an
Nur wenige Tage nach dem tragischen Tod seines jüngeren Bruders Finlay Tarling (19) kehrt Joshua Tarling zurück in den Rennzirkus. Der britische Radprofi steht im achtköpfigen Aufgebot von Netcompany Ineos für die Vuelta a España. Sein Team verkündete die Nominierung des 22-Jährigen auf X. Damit wird der Waliser weniger als eine Woche nach dem schweren Verlust in seiner Familie wieder in die Pedale treten und die spanische Landesrundfahrt bestreiten – ein Start unter denkbar emotionalen Vorzeichen. Für Joshua ist es der nächste große Auftritt innerhalb kurzer Zeit: Im Juli war er erstmals in seiner Karriere bei der Tour de France an den Start gegangen. Wie er die kommenden Wochen im Sattel erleben wird, dürfte für den Radsportler eine ganz besondere Herausforderung werden, schließlich liegt der Unfall seines Bruders erst wenige Tage zurück.
Finlay war in der vergangenen Woche im Alter von nur 19 Jahren während der achten Etappe der Portugal-Rundfahrt ums Leben gekommen. Der Nachwuchsfahrer kollidierte aktuellen Berichten zufolge mit einem Lieferwagen, der nicht zum Tross des Radrennens gehörte, und erlag noch vor Ort seinen schweren Verletzungen. Infolge des Unglücks wurde der restliche Verlauf der Etappe neutralisiert. Sein älterer Bruder zählt derweil längst zur internationalen Spitze: Als Zeitfahrspezialist gewann Joshua bereits eine Etappe beim Giro d'Italia und sicherte sich Gold im Einzelzeitfahren bei den Europameisterschaften. Bei der Weltmeisterschaft holte er in derselben Disziplin die Bronzemedaille. Nun geht der Brite mit seinem Team bei der dritten großen Landesrundfahrt der Saison an den Start.
Finlay stand dagegen noch ganz am Anfang seiner Laufbahn. Der Teenager fuhr für das Entwicklungsteam der WorldTour-Mannschaft NSN und hatte im Juni im Einzelzeitfahren der britischen U23-Meisterschaften Bronze gewonnen. Der tödliche Unfall ereignete sich auf dem Teilstück von Melgaço nach Fafe. Rádio e Televisão de Portugal berichtete damals von einem Frontalzusammenstoß mit einem Auto auf der Gegenfahrbahn – dieser genaue Ablauf war von den Organisatoren zunächst nicht offiziell bestätigt worden. Die beiden Brüder teilten die Leidenschaft für den Radsport, standen sportlich aber auf unterschiedlichen Stufen ihrer Karriere. Während Joshua sich bereits bei Grand Tours und internationalen Meisterschaften einen Namen gemacht hat, war Finlay noch im Nachwuchsbereich unterwegs und arbeitete an seinem Weg in den Profizirkus.








