Gillian Anderson spricht offen über weibliche Lust und Scham
Gillian Anderson (58) feiert derzeit den Kinostart ihres queeren Slasher-Horrorfilms "Teenage Sex and Death at Camp Miasma" – und nutzt den Anlass, um offen über weibliche Begierde, Sexualität und Scham zu sprechen. In dem Streifen spielt die Schauspielerin den geheimnisvollen Star eines alten Kultfilms. Eine queere Regisseurin, dargestellt von Hannah Einbinder, sucht sie für ein Remake in einem verlassenen Ferienlager auf. Zwischen den beiden Frauen entwickelt sich eine sexuelle Beziehung. Zugleich setzt sich die Handlung mit Identität in Bezug auf das eigene Geschlecht auseinander und greift bekannte Motive des Horrorgenres auf. Von vielen Klassikern unterscheide sich das Werk laut Gillian jedoch in einem entscheidenden Punkt: Sex und Begehren ziehen hier keine tödliche Strafe nach sich. "Lust wird bei uns nicht bestraft. Ein interessanter Gedanke, nicht wahr?", erklärte sie in einem aktuellen Interview laut dem Kurier.
Die Arbeit an der Rolle habe bei ihr Erinnerungen an die eigene Jugend geweckt. "Ich konnte mich wirklich mit der unbeholfenen, von Scham erfüllten Jugendlichen identifizieren, weil ich sie selbst einmal war", verriet die Schauspielerin im Gespräch. Auch schwierige Erlebnisse aus dieser Lebensphase deutete sie an: "Ich habe einst viele Erfahrungen gemacht, die ich mir zu dieser Zeit nicht unbedingt gewünscht hätte." Die Dreharbeiten seien deshalb zu einer unerwarteten Lernerfahrung geworden. Besonders dankbar zeigte sich Gillian gegenüber Jane Schoenbrun. Die Offenheit der Filmschaffenden über persönliche Erfahrungen regt sowohl das Publikum als auch die Mitwirkenden dazu an, das eigene Erleben zu hinterfragen. Nach Gillians Einschätzung wird weibliche Lust erst seit etwa drei bis fünf Jahren stärker öffentlich besprochen. Filme wie "Babygirl" und "The Invite" hätten das Thema in eine größere kulturelle Erzählung gerückt – etwas, das es in den 1990er- und 2000er-Jahren noch nicht gegeben habe.
Diese Entwicklung begrüßt Gillian auch mit Blick auf gesellschaftliche Regeln und den Einfluss der Pornoindustrie auf das Sexualitätsverständnis junger Menschen. Die Beschäftigung mit weiblichem Begehren reicht bei der dreifachen Mutter ohnehin weit über ihre Filmrollen hinaus. Für ihr Buch "Want" sammelte sie anonym eingesandte sexuelle Fantasien von Frauen. Außerdem verfasste sie bereits ein feministisches Manifest. Einem breiten Publikum ist die dreifache Mutter vor allem als FBI-Agentin Dana Scully aus "Akte X – Die unheimlichen Fälle des FBI" bekannt. Auch als Sextherapeutin in der Serie "Sex Education" begeisterte sie zahlreiche Zuschauer. Außerdem hat die Schauspielerin wegen ihres jugendlichen Looks eine große Fangemeinde für sich gewonnen: Ihr Styling auf den roten Teppichen begeistert immer wieder.


























