

Ronald Zehrfeld: Vom Judo-Star zum gefeierten Schauspieler
Ronald Zehrfeld (49) gehört längst zu den gefragtesten Gesichtern des deutschen Films und Fernsehens. Rund 70 Produktionen hat der 1,90 Meter große Schauspieler bereits gedreht, sieben weitere Projekte sind in Vorbereitung. Wer den breitschultrigen Darsteller sieht, denkt zunächst wohl kaum an feine Gefühlsregungen – doch genau darauf legt Zehrfeld selbst großen Wert. Eine Freundin habe ihn früher "Obelix" gerufen, Die Zeit taufte ihn zum "Gefühlskoloss". Der Zeitung beschrieb er sich selbst mit deutlichen Worten: "Ich spüre zu viel, nehme zu viel wahr. Manchmal bin ich eine sensible Pussy. Aber ich finde das ganz gut so." Wie gut ihm die leisen Töne stehen, zeigt er derzeit in "Der Buchspazierer", wo er neben Christoph Maria Herbst (60) und Yuna Bennett einen trauernden Vater spielt.
Bevor die Bühne rief, war der gebürtige Ost-Berliner ein Sporttalent. Schon als Kind wurde er vom Kindergarten aus in das Trainingszentrum Dynamo Adlershof geschickt, später besuchte er die Kinder- und Jugendsportschule in Hohenschönhausen. Als Judoka holte er den DDR-Meistertitel und hatte große Pläne: "Als Junge wollte ich Olympiasieger werden", erzählte er. Nach der Wende war der damals Zwölfjährige jedoch zu jung für den westdeutschen Kader, mit 14 Jahren beendete er seine Judokarriere. Sportlich blieb er trotzdem – durch Fußball, Skifahren und seine Leidenschaft für Motorräder. Zur Schauspielerei fand er über einen Workshop in einem spanischen Künstlerdorf und über eine Party an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch, die eine Freundin besuchte. Zuvor hatte er Germanistik und Politik studiert und über den Lehrerberuf nachgedacht. Anfang der 2000er begann er schließlich sein Schauspielstudium.
Nach seinem Bühnendebüt am Deutschen Theater und dem ersten Filmauftritt 2003 ging es steil nach oben: Hauptrollen, der Deutsche Fernsehpreis, mehrere Grimme-Preise und der Deutsche Filmpreis folgten. Wegen seiner Präsenz nannten Kritiker ihn sogar den "deutschen Russell Crowe". Sein Privatleben hält der Schauspieler dagegen weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus. Bekannt ist, dass er mit seiner Familie in Berlin lebt und eine inzwischen fast volljährige Tochter hat. In "Der Buchspazierer" spielt er den Vater der kleinen Schascha, die vom Tod ihrer Mutter genauso erschüttert ist wie er selbst. Das Mädchen begleitet den eigenbrötlerischen Buchhändler Carl Kolhoff bei seinen Lieferungen und öffnet nach und nach dessen verschlossene Welt. Die Verfilmung von Carsten Henns Roman war laut einer Studie der Filmförderungsanstalt der beliebteste deutsche Kinofilm 2024 und gewann beim 29. San Francisco Berlin & Beyond Film Festival den Publikumspreis.








