"Geschmacklos": Marius-Stück läuft direkt nach Haralds Tod
Nur einen Tag nach dem Tod von König Harald V. (†89) sorgte eine Theaterentscheidung in Norwegen für heftige Kritik. Das Stück "Sønnen" ("Der Sohn") über Marius Borg Høiby (29) wurde am Samstagabend wie geplant in Bergen aufgeführt. Besonders brisant: Die Vorstellung lief zeitweise parallel zu König Haakons (53) erster Ansprache an das norwegische Volk. Das Stück basiert auf dem Prozess und der Verurteilung von Marius, dem Sohn von Königin Mette-Marit (53). Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive eines königlichen Leibwächters, der Einblicke in die innersten Kreise der Macht bekommt und zwischen Loyalität zur Krone und seinen eigenen moralischen Überzeugungen gerät. Dabei geht es unter anderem um Privilegien, Klasse und mütterlichen Schutz.
Nach Haralds Tod hatte das Theater Den Nationale Scene zunächst sämtliche Vorstellungen am Freitag abgesagt. Am Samstagabend hielt das Haus jedoch an "Sønnen" fest. Theaterchefin Solrun Toft Iversen räumte gegenüber Se og Hør ein, dass der Zeitpunkt unmittelbar nach dem Tod des Monarchen sehr nah wirken könne. Absagen wollte sie die Aufführung trotzdem nicht. Das Stück sei ihr so wichtig, dass sie nicht damit leben könne, wenn es nicht gezeigt werde. Bei Royalexpertin Caroline Vagle stieß diese Entscheidung auf wenig Verständnis. Sie bezeichnete den Zeitpunkt als "geschmacklos". Für zusätzliche Brisanz sorgte, dass die Aufführung zeitweise parallel zu Haakons erster Rede als König lief. Rund eineinhalb Tage nach dem Tod seines Vaters wandte sich König Haakon VIII. erstmals als Monarch an die Bevölkerung und verabschiedete sich sehr persönlich von Harald.
Er würdigte ihn als warmherzigen und aufmerksamen Familienmenschen, der ihm und seiner Schwester Märtha Louise Sicherheit gegeben habe. Gleichzeitig lief in Bergen ein Stück über Marius, für den Haakon während dessen Kindheit eine Vaterrolle übernommen hatte. Wegen der Darstellung von Sex, Drogen und Gewalt empfiehlt das Theater ein Mindestalter von 15 Jahren. Alle 17 angesetzten Vorstellungen sind bereits ausverkauft. Schon die ursprünglich für den 18. Juni geplante Premiere war kurzfristig verschoben worden, nachdem Marius zu vier Jahren Haft verurteilt worden war; Teile des Urteils wurden angefochten. Vor diesem Hintergrund wirkt die Aufführung nur einen Tag nach Haralds Tod für Kritiker besonders heikel.












