"F*ck dich, YouTube": Deshalb ging Julien Bam fast pleite
Jahrelang gehörten Julien Bams (37) aufwendig inszenierte Kurzfilme zur Königsklasse der deutschen Web-Videolandschaft – doch dann folgte das abrupte Ende. Im YouTube-Podcast "Rewind" legte der Social-Media-Star im Gespräch mit LionT (33) nun die Beweggründe offen, warum er die Produktionen auf seinem Hauptkanal erst pausierte und dann schließlich weitestgehend einstellte. Trotz steter Abrufzahlen in Millionenhöhe habe sich der immense Aufwand für ihn und seine Crew finanziell schlichtweg nicht gelohnt. Als Hauptursache benennt der 37-Jährige die aus seiner Sicht tief ungerechte Monetarisierung von Reaction-Content durch die Plattform. Sein aufwendiges Video "Märchen in Asozial" habe beispielsweise gerade einmal rund 6.000 Euro eingespielt – während Creator Simon Unge mit seiner Reaktion darauf geschätzte 20.000 bis 30.000 Euro kassiert haben soll. Für Julien war damit eine rote Linie überschritten, wie er in dem von Comicschau verbreiteten Gespräch unmissverständlich klarstellt: "Ab dem Zeitpunkt war Schluss. Ich dachte so: F*ck dich, YouTube."
Dabei hatte Kollege Unge auch nur das gemacht, was er seinerzeit am besten konnte: ein Reaction-Video. Dafür hatte er sich Juliens Meisterwerk genüsslich einverleibt, die Wiedergabe kontinuierlich unterbrochen und seinen Senf dazu abgegeben. Unter anderem durch diese künstlich aufgeblähte Spieldauer der Reaction ließ sich ein Vielfaches an Werbeeinnahmen pro Klick generieren. Von diesem Kuchen bekamen weder Julien noch sein Produktionsteam auch nur ein Krümelchen ab – obwohl das eigentliche Original unter extremem finanziellem Einsatz entstanden war. Die mageren 6.000 Euro Einnahmen flossen laut ihm direkt wieder in Folgeprojekte, und selbst lukrative Sponsorendeals reichten kaum aus, um den mehrköpfigen Apparat zu füttern. "Wir haben bei allen Videos draufgezahlt", stellt Julien klar. Da jedes neue Projekt noch opulenter geriet als das vorherige, hätte ein weiteres Produktionsjahr nach seinen Worten unweigerlich in die Insolvenz geführt.
Julien zählt zu den Pionieren der deutschen YouTube-Szene und schuf über Jahre hinweg ein zusammenhängendes, eigenwilliges Geschichtenuniversum für seine rund 6,2 Millionen Abonnenten. Der immense Veröffentlichungsdruck und die Erwartungshaltung an immer gigantischere Spektakel nagten bereits lange vor dem finalen Hauptkanal-Aus an Kräften und Nerven des Teams. Wie drastisch eine automatische Beteiligung an den Erlösen der Trittbrettfahrer den Verlauf beeinflusst hätte, unterstreicht der Webstar im Gespräch unumwunden: "Hätten wir von diesem Geld so ein bisschen was bekommen damals oder von allen Leuten, die darauf reagiert hätten, hätten wir damals nie eine Pause gemacht." In der Szene wird zwar seit geraumer Zeit über ein technisches Verteilungssystem debattiert, das Einnahmen fair zwischen Urhebern und Reaction-YouTubern aufteilt – eine funktionierende Lösung lässt jedoch weiterhin auf sich warten.


























