

Rohan Dennis will Richter wegen Befangenheit austauschen
Der frühere australische Radprofi und Olympiateilnehmer Rohan Dennis (36) will vor seiner noch ausstehenden Strafzumessung wegen des Verstoßes gegen seine Bewährungsauflagen einen Richterwechsel erreichen. Wie unter anderem news.com.au berichtet, beantragten seine Anwälte beim South Australia's District Court, dass Richter Ian Press das Verfahren abgibt. Dieser hatte Rohan bereits nach dem Tod von dessen Ehefrau Melissa Hoskins zu einer Bewährungsstrafe verurteilt und ihn damals eindringlich vor den Folgen weiterer Verstöße gewarnt. Nun muss sich der Olympiateilnehmer vor demselben Richter verantworten, weil er trotz Führerscheinentzugs am Steuer saß und damit gegen seine Bewährungsauflagen verstieß. Die Verteidigung befürchtet, dass der Eindruck entstehen könnte, Richter Ian Press fühle sich durch das erneute Fehlverhalten persönlich vor den Kopf gestoßen. Eine tatsächliche Befangenheit wirft sie dem Richter ausdrücklich nicht vor. Dieser kündigte an, in der kommenden Woche darüber zu entscheiden, ob er sich aus dem Fall zurückzieht und die Strafzumessung tatsächlich einem anderen Richter überlässt.
Rohans Anwalt David Edwardson nannte es einen außergewöhnlichen, wenn auch rein zufälligen Umstand, dass sein Mandant ausgerechnet wieder bei demselben Richter gelandet sei. Er erinnerte daran, dass Ian Press seinerzeit deutlich gemacht hatte, eine Haftstrafe sei bei einem Bewährungsbruch oder einer Fahrt trotz Fahrverbots "unvermeidlich". Für Außenstehende könne dadurch der Eindruck entstehen, die Entscheidung stehe bereits fest. "Das ist ganz sicher kein Fall, in dem wir auch nur ansatzweise eine tatsächliche Befangenheit behaupten, entscheidend ist jedoch die Sicht eines vernünftigen, unvoreingenommenen Beobachters", erklärte die Verteidigung vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft widersprach dem Antrag. Auch der Richter selbst zeigte sich skeptisch und erklärte, das Ansinnen bereite ihm Sorgen – er fragte, ob er nach vergleichbaren Warnungen künftig grundsätzlich keine Verfahren wegen Bewährungsbruchs mehr führen dürfe. Rohans Anwalt hielt dagegen, dass der Fall aufgrund der enormen Medienaufmerksamkeit eine Ausnahme darstelle. Der frühere Radprofi war am 11. Juni 2026 in Adelaide hinter dem Steuer erwischt worden, obwohl gegen ihn ein fünfjähriges Fahrverbot bestand.
Hintergrund des Verfahrens ist der Tod von Rohans Frau Melissa, die ebenfalls als Radsportlerin bei Olympia antrat. Sie starb am 31. Dezember 2023, nachdem sie vor dem gemeinsamen Zuhause in Adelaide von einem Auto erfasst worden war, das ihr Ehemann steuerte. Dem Unglück war eine Auseinandersetzung des Paares vorausgegangen. Als Rohan losfahren wollte, sprang Melissa auf die Motorhaube des Wagens und zog sich tödliche Verletzungen zu. Die ursprünglichen Vorwürfe der gefährlichen Fahrt mit Todesfolge und des Fahrens ohne gebührende Sorgfalt wurden später fallengelassen. Rohan bekannte sich stattdessen eines erschwerten Delikts schuldig, durch das er die Gefahr eines Schadens geschaffen hatte. Richter Ian Press verhängte 2025 eine Bewährungsstrafe und das fünfjährige Fahrverbot. Nach dem Tod seiner Frau bezeichnete Rohan das Geschehen als Unfall. Er erklärte außerdem, er habe Melissa geliebt und sie niemals verletzen wollen.





















