Und plötzlich war er dann doch da, der neoParadise-Busengrapscher, der genau betrachtet ja eigentlich keiner war und nun folgt eine Welle der medialen Empörung. Ein klassischer Shitstorm, der in diesem Fall besonders seltsam wirkt, da die vermeintliche Busengrapsch-Szene bereits am 4. Oktober bei neoParadise gezeigt wurde. Ausgerechnet diese Folge brachte dem anarchischen Format dank des letzten Auftritts von Dirk Bach (†51) einen echten Quotenrekord. Obwohl unter den 110.000 Zuschauern sicherlich auch einige Neuzugänge dabei waren, die dem gelegentlich grenzüberschreitenden Humor von Joko (33) und Klaas (29) nichts abgewinnen können, hielt sich die Empörung scheinbar bis dato in Grenzen.

Hat man es vielleicht bewusst übersehen, weil der tragische Tod von Dirk Bach dann doch die Sendung überschattete, oder hat man es als nicht so schlimm empfunden, weil es in dem Zusammenhang einfach zum schrägen Humor von Joko und Klaas passte? Manchmal dauert es eben länger, bis ein Aufreger zum Aufreger wird und so schwappt die Welle erst jetzt in Richtung Joko und Klaas. „Sexuelle Nötigung, die Verherrlichung von Gewalt gegen Frauen und das alles wird auch noch von öffentlichen Geldern finanziert“, lauten die empörten Stimmen.

Haben Feministinnen keinen Humor, sind die Damen da einfach zu übersensibel oder ist so manch einer von uns einfach schon zu abgestumpft? Als Mann kann ich da nur beschränkt mitreden und deswegen werde ich hier nicht das Thema kleinreden, sondern versuchen, den Ursachen dieses Shitstorms auf den Grund zu gehen. neoParadise lebt vom sinnfreien Schwachsinn und der bewussten Provokation durch politische Unkorrektheit. Was Joko und Klaas als Challenge machen, ist weder Bildungsfernsehen noch hat es eine philosophische oder gar politisch ernst gemeinte Aussage.

Gibt es wirklich Menschen, deren Moralvorstellungen vom Fernsehen beeinflusst werden, und senken sexistisch platte Witze wirklich die Hemmschwelle von Männern und fördern dadurch sexuelle Übergriffe? Man kann nur hoffen, dass unsere Gesellschaft noch fähig ist, ihre Moralvorstellungen jenseits des Fernsehers zu bilden. Die Diskussion erinnert leider auch ein bisschen an das leidige Thema der Ego-Shooter, denen man ja auch unterstellt, dass sie die Hemmschwelle zur Gewalt senken würden.

Vergessen darf man an dieser Stelle natürlich nicht, dass die von den Medien viel gefeierten Nachwuchsmoderatoren sicherlich eine gewisse Vorbild-Funktion haben und sie dieser auch irgendwo gerecht werden müssen. Allerdings gilt das für ihre realen Statements als Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt und nicht für ihre fiktiven Medien-Figuren „Joko und Klaas“, die teilweise nichts anderes als eine reale Weiterentwicklung von „Beavis und Butthead“ sind.

Vermutlich ist in diesem Shitstorm irgendwo die Realität mit der gestellten Fiktion kollidiert und das ist wirklich bedauerlich und für keine der genannten Seiten zuträglich. Der eine kämpft um seinen Ruf und die anderen um ihre Glaubwürdigkeit. Wenn ein schlechter Scherz aus der nicht ernstzunehmenden Welt der Unterhaltung schon solche Reaktionen auslösen kann, dann droht uns wegen zunehmender übervorsichtiger Selbstzensur bald wirklich ein 24 Stunden TV-Programm a la „Carmen Nebel“.

Klaas Heufer-Umlauf hat sich auf seinem Twitter-Account dafür bereits in aller Form entschuldigt und zugegeben, dass man hier klar einen Fehler gemacht hat, der nicht wieder vorkommen wird. Außerdem kündigte er an, dass man sich zu dem Vorfall noch genauer äußern werde. Die weiße Flagge wurde also schon gehisst und wer jetzt immer noch weiter schießt, scheint definitiv übers Ziel hinausschießen zu wollen.

Klaas Heufer-UmlaufZDF und Jule Roehr
Klaas Heufer-Umlauf
Klaas Heufer-UmlaufZDF und Jule Roehr
Klaas Heufer-Umlauf
Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-UmlaufAEDT/WENN.com
Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf


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