Prinzessin Astrid war Norwegens letzte echte Blaublütlerin
Prinzessin Astrid (†94) ist verstorben. Nach dem Tod von König Harald V. (†89) war sie nicht nur das letzte noch lebende Kind von König Olav V. und Kronprinzessin Märtha. Die ältere Schwester des verstorbenen Monarchen nahm innerhalb der norwegischen Königsfamilie noch aus einem anderen Grund eine besondere Stellung ein: Sie war die letzte lebende Norwegerin ihrer Generation, die auf beiden Seiten unmittelbar aus europäischen Königshäusern stammt. Anders als bei den nachfolgenden Generationen waren sowohl ihr Vater als auch ihre Mutter von Geburt an Royals. Damit war Astrid gewissermaßen Norwegens letzte "echte Blaublütlerin".
Astrids Vater Olav kam 1903 als Prinz Alexander von Dänemark zur Welt. Seine Eltern waren der dänische Prinz Carl und die britische Prinzessin Maud, eine Tochter von König Edward VII. Als sein Vater 1905 als Haakon VII. König von Norwegen wurde, erhielt der damals zweijährige Alexander den Namen Olav und wurde zum norwegischen Kronprinzen. Auch Astrids Mutter Märtha brachte reichlich blaues Blut mit: Sie wurde 1901 als Prinzessin von Schweden geboren und war eine Enkelin des schwedischen Königs Oscar II.
Olav und Märtha heirateten 1929 und bekamen drei Kinder: Ragnhild, Astrid und Harald. Astrids ältere Schwester starb bereits 2012, Harald am 28. August dieses Jahres. Damit war die Royal die letzte Vertreterin dieser Generation der norwegischen Königsfamilie. Bei der Beisetzung ihres kleinen Bruders am vergangenen Mittwoch war sie trotz ihrer gesundheitlichen Probleme im Osloer Dom noch dabei. Astrid kam im Rollstuhl zur Trauerfeier, nahm jedoch nicht an der vorherigen Prozession durch die Hauptstadt teil.
In den folgenden Generationen änderte sich die Familiengeschichte. Harald heiratete 1968 Sonja Haraldsen, die heutige Königin Sonja (89), die aus einer bürgerlichen Familie stammt. Ihr gemeinsamer Sohn Haakon (53) wiederum gab 2001 der ebenfalls bürgerlich geborenen Mette-Marit Tjessem Høiby (53) das Jawort. Auch Haakons Kinder Ingrid Alexandra und Sverre Magnus stammen damit nicht mehr ausschließlich von gebürtigen Royals ab.
Astrid selbst setzte diesen Wandel sogar schon vor ihrem Bruder fort. 1961 heiratete sie Johan Martin Ferner, der nicht aus einem Königshaus stammte. Die beiden bekamen fünf Kinder und waren bis zu Ferners Tod im Jahr 2015 verheiratet. Astrid behielt ihren Prinzessinnentitel und unterstützte das Königshaus über Jahrzehnte bei offiziellen Aufgaben.
Eine besonders wichtige Rolle übernahm sie schon als junge Frau. Nachdem ihre Mutter Märtha 1954 im Alter von nur 53 Jahren gestorben war, begleitete Astrid zunächst ihren Großvater König Haakon VII. und später ihren Vater Olav bei offiziellen Anlässen. Mehrere Jahre nahm sie damit faktisch die Rolle der First Lady Norwegens ein. Auch im hohen Alter blieb sie dem Königshaus verbunden.
Mit Haralds Tod war Astrid die einzige noch lebende Tante des neuen Königs Haakon VIII. Zuletzt waren öffentliche Auftritte der 94-Jährigen allerdings ohnehin selten geworden. In diesem Jahr musste sie bereits wegen einer Lungenentzündung und später aufgrund einer Herzschwäche im Krankenhaus behandelt werden. Im Mai wurde ihr vorübergehend ein Herzschrittmacher eingesetzt.




























