

"Adolescence"-Autor Jack Thorne rechnet mit KI-Schummlern ab
Jack Thorne hat scharf gegen Kollegen ausgeteilt, die ihre Drehbücher heimlich von künstlicher Intelligenz verfassen lassen. Der Autor der Netflix-Serie "Adolescence" sprach bei einer Rede für die Writers' Guild of Great Britain über "Authorship in the Age of AI", aus der Deadline zitiert. Nach Gesprächen mit Führungskräften, Studiochefs und Autoren aus seinem Umfeld sei ihm aufgefallen, dass einige Schreibende KI längst nicht mehr bloß als Unterstützung einsetzen. Für Jack mache es einen entscheidenden Unterschied, ob die Technologie etwa bei Rechtschreibung, Formatierung oder beim Ordnen von Ideen hilft oder ob sie die eigentliche kreative Arbeit übernimmt. "Ich spreche davon, KI als Ersatz für Anstrengung zu verwenden, als Ersatz dafür, überhaupt zu schreiben. Prompts zu verwenden, anstatt Wörter zu schreiben. Das heißt, einfach ausgedrückt, nicht zu schreiben", stellte er klar. Besonders deutlich wurde der Autor anschließend bei den möglichen Folgen: "Damit betrügen sie ihre Arbeitgeber, und sie betrügen ihre Autorenkollegen."
Der Drehbuchautor fordert deshalb lückenlose Transparenz darüber, wie ein Skript entstanden ist. Wer künstliche Intelligenz nutze, müsse dabei "absolut sauber" vorgehen und den Einsatz der Technologie sowie daraus entstandene Inhalte eindeutig kennzeichnen. Nicht offengelegte KI-Texte sollten seiner Ansicht nach sogar rechtlich als Betrug eingestuft werden, damit Auftraggeber entsprechende Autoren vor Gericht belangen können. Ein konkretes Beispiel nannte Jack selbst: "Wenn ich Netflix begeistert meine Mars-Serie vorstelle und sie bei mir ein Drehbuch bestellen, ich dieses Drehbuch dann mithilfe von KI schreibe und es ihnen nicht sage, sollten sie das Recht haben, mich vor Gericht zu bringen." Als Präsident der Writers' Guild of Great Britain fordert er darüber hinaus auch berufliche Konsequenzen. Sender wie BBC und Channel 4 müssten seiner Meinung nach reagieren, wenn ihnen KI-generierte Texte als eigene Arbeit präsentiert würden. Gleichzeitig sieht Jack auch die Techbranche in der Verantwortung: Unternehmen sollten ihre Trainingsdaten samt geprüften Übersichten offenlegen, die von einer unabhängigen Regulierungsstelle kontrolliert werden. Die britische Regierung betonte laut Deadline unterdessen, dass das Urheberrecht einerseits den Kreativstandort Großbritannien schützen und andererseits Raum für Innovationen mit künstlicher Intelligenz lassen müsse. Gesucht würden deshalb Lösungen, von denen sowohl die Kreativ- als auch die Technologiebranche profitieren.
Jack zählt zu den renommiertesten Drehbuchautoren Großbritanniens. Neben "Adolescence" stammen unter anderem das Theaterstück "Harry Potter und das verwunschene Kind" sowie die Fernsehserie "Lord of the Flies" aus seiner Feder. Seinen bisher größten Erfolg landete er mit der Netflix-Serie, die sich um die Festnahme des 13-jährigen Jamie Miller wegen des Mordes an einer Mitschülerin und das schwierige Verhältnis zwischen Vater und Sohn dreht. Eddie und Jamie Miller werden darin von Stephen Graham und Owen Cooper verkörpert. Das Format erhielt viel Lob von Kritikern und wurde unter anderem mit Golden Globes ausgezeichnet. Eine zweite Staffel ist allerdings nicht geplant: Jack stellte klar, dass die Geschichte rund um die Familie Miller abgeschlossen ist und "Adolescence" nicht fortgesetzt werden soll.
























