Doping-Eskapade hat Ex-Radprofi Jan Ullrich nahezu "gekillt"
Offener könnte ein Rückblick kaum ausfallen: Jan Ullrich (52) spricht in einer Ausgabe von "Inas Nacht" mit Gastgeberin Ina Müller über den Dopingskandal, seine privaten Abstürze und den langen Weg zurück in ein geordnetes Leben. Der frühere Radprofi findet dabei Worte, die wenig Interpretationsspielraum lassen: "Es war 'ne Sch**ßzeit. Es hat mich gekillt. Doping hat mich zehn Jahre gekostet." Dass er jahrelang gelogen und den passenden Moment für ein Geständnis verstreichen ließ, räumt er unumwunden ein. Für das Doping selbst schämt er sich nach eigener Aussage jedoch nicht. Sein Argument: Die verbotenen Mittel seien damals im gesamten Sport verbreitet gewesen. Ein Kapitel, das er nicht schönredet – aber eben auch nicht kleiner macht, als es war.
Wie die Rechtfertigung damals funktionierte, schildert Ullrich ganz nüchtern. Man habe sich an die Konkurrenz angepasst und sich eingeredet, es sei ja gar kein Doping, "wenn's alle machen". Ein Selbstläufer sei der Erfolg deswegen trotzdem nicht gewesen. "Ohne Fleiß, Training, Disziplin und Talent fährst du auch mit Doping nirgendwohin", stellt der Tour-de-France-Sieger in "Inas Nacht" klar. Sein langes Schweigen bereut er heute. "Ich habe den Zeitpunkt verpasst", gibt er zu und ergänzt: "Ich hätte damals den ganzen Radsport auffliegen lassen können." Aus Liebe zum Sport habe er weder Kameraden noch Mitarbeiter oder Sponsoren mit hineinziehen wollen. Ob heute alles sauber läuft? Da bleibt der Sportler lieber vorsichtig: "Meine Hand leg ich auch nicht ins Feuer – aber ich will glauben, dass alles sauber ist." Als legale Variante nennt er Höhentrainingslager, die durch vermehrte rote Blutkörperchen einen ähnlichen Effekt hätten wie das riskante Epo.
Nach dem Ende seiner Karriere folgte für Jan eine schwere persönliche Krise: Alkohol, Drogen, Unfälle, Gerichtsverfahren und Trennungen bestimmten seinen Alltag. Diese Zeit sei "viel schwieriger als die Tour de France" gewesen, erinnerte er sich bei Ina. Wie heftig sein Konsum damals war, beschrieb er sehr deutlich: "Wenn du neun Zigaretten auf einmal rauchst, zwei Flaschen Johnny Walker trinkst und noch andere Sachen nimmst, dann fällt jeder tot um. Ich bin irgendwie nicht umgefallen." Heute rührt der Sportler keinen Alkohol mehr an. Die Moderatorin erklärte in der Sendung, er habe darauf "schon länger keinen Bock mehr" – deshalb blieb sein Auftritt in der sonst für Schnaps bekannten Show alkoholfrei. Inzwischen führe er wieder ein gutes und glückliches Leben, betonte er. Auch seine dunkelsten Jahre gehören für ihn dazu: "Hölle und Himmel – ich hab alles irgendwie schon gemacht."








