Deshalb wäre Horst Lichters Karriere beinahe gescheitert

Deshalb wäre Horst Lichters Karriere beinahe gescheitert

- Anita Ehlert
Lesezeit: 2 min
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Ein dicker Schnauzer und ein unverkennbarer rheinischer Zungenschlag – beides gehört zu Horst Lichter (64) wie die Trödelware zu seiner Sendung. Genau diese zwei Markenzeichen hätten seine Fernsehkarriere allerdings beinahe schon im Keim erstickt, wie der Moderator jetzt in der ARD-Talkshow "Inas Nacht" erzählte. Am Tresen der Hamburger Kneipe "Zum Schellfischposten" berichtete er Ina Müller von einem Casting bei RTL, das er eigentlich mit Bravour gemeistert hatte. Der Sender habe ihn aber nur unter Bedingungen engagieren wollen: Der Bares für Rares-Star sollte eine Rhetorikschule besuchen, um seinen Dialekt loszuwerden, und obendrein seinen Oberlippenbart abrasieren. Beides lehnte er ab – und riskierte damit ganz bewusst eine mögliche Karriere bei dem Privatsender.

Dabei sei die erste Rückmeldung nach dem Vorsprechen überaus schmeichelhaft gewesen. "Dann ham die jesacht, 'Janz ehrlich, Sie waren der Beste'", gab Horst wieder. Danach folgte jedoch die Kritik an Sprache und Aussehen. Der Bart sei den Verantwortlichen schlicht zu altbacken erschienen: "Der sei so old Style, das könne man so nicht machen." Weil Horst weder zum Rasierer noch zum Sprachtrainer greifen wollte, habe man ihm eine wenig glanzvolle Zukunft vorhergesagt. "Naja, Herr Lichter, dann werden Sie halt Regionalliga bleiben, aber dann sind Sie nichts für die Bundesliga im Fernsehen", habe es geheißen. Heute nimmt der Moderator die damalige Absage mit einer gehörigen Portion Sarkasmus: "Gott, hatten die recht. Seitdem bin ich im Unterhaus." Den großen Durchbruch schaffte er schließlich beim ZDF – mit der Trödelshow "Bares für Rares", die zum Publikumserfolg wurde.

Der beinahe geplatzte Einstieg ins Fernsehen war allerdings längst nicht die einzige Krise in Horsts Leben. Anfang der 1990er-Jahre stand sein Restaurant "Oldiethek" vor dem Aus. Schulden und Forderungen des Finanzamts verschärften seine finanzielle Situation zusätzlich. In dieser von Existenzangst geprägten Phase geriet für den gelernten Koch vieles ins Wanken: Auf einer Motorradfahrt stellte er seine Zukunft, seine Verantwortung und sogar sein Leben infrage. Statt einfach weiterzumachen wie bisher, entschied er sich damals für einen kompletten Neuanfang. Es sollte noch einige Jahre dauern, bis er mit Bart und Dialekt zu einer festen Größe im deutschen Fernsehen wurde – ausgerechnet mit jenen Eigenheiten, die er nach dem Wunsch von RTL hätte ablegen sollen.

Horst Lichter, TV-Star
Hein Hartmann / Future Image / ActionPress
Horst Lichter, TV-Star
"Bares für Rares"-Moderator Horst Lichter
ZDF / Frank Hempel
"Bares für Rares"-Moderator Horst Lichter
Horst Lichter im Januar 2019
Getty Images
Horst Lichter im Januar 2019
Wie findet ihr es, dass Horst Lichter für seine TV-Karriere weder Dialekt noch Schnauzer opfern wollte?