Nicht Talkmaster: Das wollte Markus Lanz eigentlich werden

Nicht Talkmaster: Das wollte Markus Lanz eigentlich werden

- Patricia Schlösser-Christ
Lesezeit: 3 min
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Markus Lanz (57) gehört seit Jahren zu den bekanntesten Talkmastern des deutschen Fernsehens, doch sein eigentlicher Berufswunsch hatte mit politischen Debatten vor laufenden Kameras wenig zu tun. Gegenüber der Wochenzeitung Die Zeit verriet der Moderator jetzt, dass sein eigentlicher Traum ganz anders aussah. "Ich wollte Produzent werden, in einem Studio sitzen und Musik machen", erklärte er im Interview. Statt hinter einem Mischpult landete der gebürtige Südtiroler jedoch im Fernsehen. Seine Erklärung für diese unerwartete Wendung fällt knapp aus: "Das Leben hatte etwas anderes für mich vorgesehen", stellte er fest. Seinen heutigen Job macht er nach eigener Aussage zwar "wahnsinnig gerne", doch die Arbeit im Fernsehen sei nie das gewesen, was er "im Kern meiner Seele immer tun wollte". Entsprechend nüchtern fällt daher sein Urteil über die eigene Laufbahn aus. Im Interview bezeichnete Markus seine Fernsehkarriere als "die zweitbeste Option" und fügte nachdenklich hinzu: "Die Frage ist, ob man seinen Frieden damit macht."

Ein kompletter beruflicher Neuanfang kommt für den Moderator inzwischen kaum noch infrage – mit 57 Jahren sei das eben etwas anderes als mit 40. Das Leben sei "entweder gut oder schlecht, es gibt aber kein Zurück", sagte er der Zeitung. Von Bedeutung seien ihm heute vor allem zwei Dinge: seine Familie und seine Arbeit. "Der Rest ist nicht so wichtig", stellte er klar. Zum Medium Fernsehen selbst pflegte Markus nach eigenen Worten ohnehin immer eine gewisse Distanz. "Ich habe dem Fernsehen immer misstraut, und das war auch gut so", betonte er und erklärte sogleich den Grund für sein Misstrauen: Den Umstand, dass am Ende Programmdirektoren darüber bestimmen, wer vor einer Kamera auftreten darf, empfindet der Talkmaster nicht als sichere berufliche Grundlage. Deshalb übernahm er bereits während seiner Zeit bei RTL zusätzlich Aufgaben hinter den Kulissen. Dieser Weg sei ihm damals "solider und nachhaltiger" erschienen als eine Laufbahn, die ausschließlich von seiner Präsenz auf dem Bildschirm abhing, erklärte er.

Dass Markus, den einst die Angst vor einem Burn-out plagte, überhaupt bei RTL landete, hat er einem Rückschlag zu verdanken. Während seines Volontariats bei Radio Hamburg wurde er wegen seines politischen Protestsongs "Fuck Chirac" entlassen, der sich gegen die damaligen französischen Atomtests richtete. RTL Nord hatte den jungen Mann zu diesem Zeitpunkt aber längst auf dem Zettel. Heute sieht er die Sache entspannt: "In Wahrheit war der Rausschmiss ein großes Glück und eine wichtige Lehre: Egal, was passiert, es geht immer weiter", betonte er im Interview. Diese Gelassenheit brauchte Markus Jahre später noch einmal. Nach seiner kurzen Zeit bei Wetten, dass..? spielte er mit dem Gedanken, der Branche den Rücken zu kehren. "Nach meinem Desaster als 'Wetten, dass..?'-Moderator hatte ich tatsächlich diese Rückfallposition im Kopf: Notfalls gehe ich wieder in die Berge", verriet er. Dort spiele sein Status in der TV-Welt keine Rolle: "Dort bist du einfach der, der du immer warst." Markus blieb der TV-Branche letztlich treu – auch wenn er ursprünglich einen anderen Weg einschlagen wollte.

Markus Lanz, Moderator
Getty Images
Markus Lanz, Moderator
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Markus Lanz, Moderator
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Markus Lanz, Moderator
Markus Lanz wollte eigentlich Musik produzieren: Hättet ihr ihn lieber hinter dem Mischpult als am Talkshow-Tisch gesehen?