Epstein-Ermittler stoßen nun auf weitere mögliche Anwerber
Im Fall des verstorbenen US-Sexualstraftäters Jeffrey Epstein (†66) haben französische Ermittler weitere Namen potenzieller Anwerber gefunden. Die Pariser Staatsanwältin Laure Beccuau gab am Donnerstag im Gespräch mit dem Radiosender France Inter diesbezüglich ein Update. Demnach gehen die Fahnder inzwischen Dutzenden Ermittlungsansätzen nach. Die Spuren des mutmaßlichen Menschenhandelsnetzwerks reichen dabei über Frankreich hinaus bis nach New York. Innerhalb des Landes führen sie unter anderem in die südfranzösischen Städte Saint-Tropez und Cannes. Zeitgleich war es den Behörden möglich, bislang 26 mutmaßliche Opfer zu identifizieren. Dabei waren 13 dieser Betroffenen zuvor in keinem anderen Verfahren bekannt und wurden somit erstmals im Zuge der französischen Untersuchung erfasst. Die Aufarbeitung ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Acht der 26 Personen müssen den Angaben zufolge noch von den Ermittlern befragt werden. Einige von ihnen halten sich im Ausland auf, was die weiteren Vernehmungen zusätzlich erschwert.
Die französische Untersuchung wegen mutmaßlichen Menschenhandels wurde eingeleitet, nachdem das US-Justizministerium im Januar ein weiteres Aktenpaket zum Epstein-Komplex der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hatte. Wie komplex und undurchsichtig die Arbeit der Behörden ist, beschrieb die Staatsanwältin mit einem deutlichen Bild: "Für uns ist das Epstein-Netzwerk ein labyrinthartiges Geflecht. Um dort herauszufinden, reicht es nicht, nur an einem Ariadnefaden zu ziehen, sondern an Dutzenden und Aberdutzenden Fäden." Bereits zuvor waren Personen aus der französischen Modelbranche ins Visier geraten. Ein Verfahren gegen den früheren europäischen Elite-Chef Gérald Marie wegen Vergewaltigungs- und sexuellen Übergriffsvorwürfen wurde eingestellt, da die mutmaßlichen Taten verjährt waren. Nach der Veröffentlichung der aktuellsten Epstein-Akten forderten mehrere Frauen neue Ermittlungen. Gérald wies die Vorwürfe gegenüber RTL zurück: "Ich habe niemals jemanden vergewaltigt." Zudem erklärte er: "Ich habe mich Frauen gegenüber immer anständig und korrekt verhalten. Ich liebe Frauen. Ich kann mir nicht vorstellen, eine zu zwingen." Nach eigener Aussage sei er Epstein nur einmal begegnet.
Einige Männer, die als mutmaßliche Anwerber für Jeffrey galten, können zu den Anschuldigungen nicht mehr befragt werden. So wurde beispielsweise der schwedisch-französische Modelscout Daniel Siad im Juli dieses Jahres tot in seiner Pariser Wohnung gefunden. Ihm wurde vorgeworfen, junge Frauen und Mädchen für den Unternehmer rekrutiert zu haben. Und auch der französische Modelagent Jean-Luc Brunel war beschuldigt worden, Frauen für Jeffrey ausgewählt zu haben. Die Polizei nahm Jean-Luc im Jahr 2020 fest. Zwei Jahre später wurde er ebenfalls tot im Gefängnis aufgefunden. Damit fehlen den Ermittlern gleich zwei mögliche Auskunftspersonen aus der Modelbranche.
























