Rom fordert unveröffentlichte Epstein-Dokumente an
Der Fall von Jeffrey Epstein (†66) beschäftigt inzwischen auch die italienische Justiz: Die Staatsanwaltschaft in Rom hat neue Ermittlungen im Zusammenhang mit den sogenannten Epstein-Akten aufgenommen. Im Fokus stehen dabei der Verdacht auf sexuelle Gewalt und die Frage, ob mögliche Straftaten Verbindungen nach Italien aufweisen. Wie La Repubblica berichtet, haben sich die italienischen Ermittler bereits an die US-Behörden gewandt und um die Übermittlung entsprechender Fallunterlagen gebeten. Dabei sollen ausdrücklich auch bislang unveröffentlichte Dokumente angefordert worden sein. Die Staatsanwaltschaft will prüfen, ob italienische Staatsbürger im Ausland oder Personen auf italienischem Boden an Sexualstraftaten beteiligt gewesen sein könnten, die in ihren Zuständigkeitsbereich fallen. Hinweise darauf, dass bestimmte italienische Personen tatsächlich in Straftaten verwickelt waren, gibt es dem Bericht zufolge bislang jedoch nicht. Die Ermittlungen stehen somit noch ganz am Anfang.
Angestoßen wurde das Verfahren durch eine Anzeige der Frauenrechtsorganisation Differenza Donna, die am 26. März eingereicht worden war. Darin forderte der Verband eine Untersuchung möglicher grenzüberschreitender Straftaten – darunter Menschenhandel, sexuelle Gewalt sowie die sexuelle Ausbeutung von Frauen, Mädchen und Minderjährigen. Nach Angaben der Organisation tauchen in den bereits vom US-Justizministerium veröffentlichten Unterlagen mehrfach Hinweise auf italienische Personen sowie Aufenthalte, Reisen und Kontakte in Italien auf. Zudem sollen darin Menschen aus international bedeutenden Wirtschafts- und Gesellschaftskreisen genannt werden. Nun soll geklärt werden, ob sich aus den Dokumenten konkrete strafrechtlich relevante Vorgänge mit Bezug zu Italien ableiten lassen. Die Anwältinnen Teresa Manente und Ilaria Boiano betonten allerdings, dass weder die bloße Erwähnung eines Namens in den Akten noch ein Kontakt zu Jeffrey Epstein automatisch auf eine strafrechtliche Verantwortung schließen lasse. Differenza Donna begrüßte die Aufnahme der Ermittlungen und machte zugleich deutlich, dass bei der weiteren Aufarbeitung die Opfer im Mittelpunkt stehen sollten.
Jeffrey starb im August 2019 im Alter von 66 Jahren. Noch Jahre nach dem Tod des verurteilten Sexualstraftäters werden seine Kontakte, Akten und Immobilien in verschiedenen Ländern untersucht. In Frankreich wurden beispielsweise Aufnahmen von der Durchsuchung seiner Pariser Luxuswohnung im Jahr 2019 veröffentlicht. Die Bilder aus dem 18-Zimmer-Anwesen an der Avenue Foch zeigten unter anderem einen rot beleuchteten Massageraum, Sexspielzeug und zahlreiche Nacktfotos. Die Pariser Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass es dort möglicherweise zu sexuellen Übergriffen gekommen sein könnte. Die damaligen Funde zeigen, wie weit die internationalen Verbindungen des Falls reichen. Die Ermittler in Rom konzentrieren sich nun ausdrücklich darauf, mögliche strafrechtlich relevante Verbindungen nach Italien zu überprüfen. Ob die US-Behörden die angeforderten Dokumente tatsächlich zur Verfügung stellen werden, ist derzeit noch offen.























