"Verblendung": Manuel Cortez watscht "Verliebt in Berlin" ab

"Verblendung": Manuel Cortez watscht "Verliebt in Berlin" ab

- Carina Bukenberger
Lesezeit: 3 min
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Rund zwei Jahrzehnte nach dem großen Finale hadert Manuel Cortez (47) noch immer mit der moralischen Schieflage von "Verliebt in Berlin". In einem Interview für den YouTube-Kanal RUN Business, das in einzelnen Clips gerade erneut auf TikTok viral geht, rechnet der Schauspieler eiskalt mit dem Drehbuch ab, das ihn einst berühmt machte. Im Zentrum seines Ärgers steht das denkwürdige Traualtar-Fiasko: Hauptfigur Lisa Plenske, gespielt von Alexandra Neldel (50), servierte Manuels Serienfigur Rokko Kowalski im letzten Moment ab, um stattdessen ihren Chef David Seidel, gespielt von Mathis Künzler, zu heiraten. Für Manuel eine erzählerische Bankrotterklärung: Während Rokko die Heldin stets bedingungslos liebte, wie sie war, verkörperte David lediglich den "toxischen Erfolgstyp", der erst nach Lisas optischer Generalsanierung romantische Gefühle für sie entwickelte. Für die vornehmlich junge weibliche Zielgruppe war das in den Augen des Schauspielers ein verheerendes Lehrstück: "Was ist das für eine Message? (...) Das ist für junge Mädchen echt scheiße", bilanzierte Manuel rückblickend.

Grundsätzlich geht dem Schauspieler die gewohnte Rom-Com-Dramaturgie gehörig auf den Zeiger, die Frauen seit Generationen einredet, erst durch die Zuneigung eines rettenden Prinzen und den passenden Look gesellschaftliche Relevanz zu erlangen. "Dieses ewige Verblenden von Frauen mit Prinzen ist das Schlimmste, was wir eigentlich der Emanzipation und dem Weltbewusstsein der Frau angetan haben", wetterte Manuel im Gespräch. Junge Mädchen würden darauf getrimmt, sich aufzuopfern, um dann erst anerkannt zu werden, wenn sie "der sexuellen Begierde des Mannes gefallen". Mit dieser Haltung hielt er schon während der damaligen Ausstrahlung nicht hinterm Berg und empfahl offen die Hochzeit mit Rokko – nicht aus Egoismus, sondern aus emanzipatorischem Verstand. Das rief laut Manuel wiederum die Senderverantwortlichen auf den Plan: "Für die Nummer hab ich richtig auf den Sack gekriegt", erinnert er sich. Kurz vor dem Finale wurde dem Querschläger ein striktes Interviewverbot verhängt.

Trotz des Erfolgs zog Manuel nach der ersten Staffel konsequent den Stecker und lehnte ein Mitwirken in der Fortsetzung ab. "Ich musste aus diesem Daily-Ding raus", begründete der Mime den Abschied von der Fließbandarbeit, da er nicht gut darin sei, "ewig immer das Gleiche" zu tun. Für ihn war die Figur auserzählt – und der Nachklapp ohne die Urbesetzung ohnehin ein Flop. Über den Einbau eines neuen Protagonisten konnte er nur müde lächeln: "Da kam dann irgendwie der Bruder der Hauptfigur. Und da dachte ich: Wen interessiert das denn?" Auf TikTok erfährt sein damaliger Widerstand nun späte Genugtuung durch die einstigen Zuschauerinnen. Eine Nutzerin berichtet unter dem Clip: "Ich habe geheult, als sie sich nicht für Rokko entschieden hat. Ich hab mich verraten gefühlt. Das heilt mein 15-jähriges Herz, das jetzt zu hören. Danke, Manuel." Andere Kommentare feierten die Offenheit des Schauspielers und taten den damaligen Serienausgang trocken als verstaubtes Relikt veralteter Rollenbilder ab.

Ulrike Mai, Tim Sander, Mathias Künzler, Alexandra Neldel, Manuel Cortez und Hubertus Regout beim grossen "Verliebt in Berlin"-Abend, 2006
Imago
Ulrike Mai, Tim Sander, Mathias Künzler, Alexandra Neldel, Manuel Cortez und Hubertus Regout beim grossen "Verliebt in Berlin"-Abend, 2006
Alexandra Neldel und Mathis Künzler als Lisa Plenske und David Seidel 2005 bei "Verliebt in Berlin"
Sven Darmer
Alexandra Neldel und Mathis Künzler als Lisa Plenske und David Seidel 2005 bei "Verliebt in Berlin"
Manuel Cortez, Alexandra Neldel und Mathias Kuenzler beim "Verliebt in Berlin"-Abend, 2006
Imago
Manuel Cortez, Alexandra Neldel und Mathias Kuenzler beim "Verliebt in Berlin"-Abend, 2006
Könnt ihr Manuels Frust über das "Verliebt in Berlin"-Finale verstehen?