Schauspieler Henry Winkler wollte Kinderpsychologe werden
Bevor Henry Winkler (80) zum Serienstar wurde, hatte er ganz andere Pläne für seine Zukunft. Im Podcast "You Could Make This Beautiful" verriet der Schauspieler jetzt, dass er eigentlich Kinderpsychologe werden und beruflich mit jungen Menschen arbeiten wollte. Ein Grund dafür war auch seine Legasthenie – Henry suchte damals gezielt nach einer Tätigkeit, für die er möglichst wenig formale Bildung benötigen würde. Warum ihn ausgerechnet die Arbeit mit Kindern reizte, erklärte er in dem Gespräch ganz genau: "Ich verstehe Kinder. Ich glaube, ich kann Kindern zuhören. Mich interessiert, was sie zu sagen haben und wie sie sind." Besonders beeindruckt habe ihn dabei die Selbstverständlichkeit der Kleinen: "Ich staune darüber, wie souverän sie sich im Universum bewegen. Ja, ich würde mit Kindern arbeiten." Am Ende führte sein Weg dann aber doch vor die Kamera statt in die Praxis.
Mit dieser Entscheidung landete Henry einen Volltreffer: Von 1974 bis 1984 spielte er in der Serie "Happy Days" den coolen Arthur "Fonzie" Fonzarelli – eine Rolle, die ihm gleich drei Emmynominierungen einbrachte. Hinter den Kulissen machte ihm seine Legasthenie die Arbeit allerdings schwer, wie er gegenüber PBS News berichtete. Bei den gemeinsamen Drehbuchlesungen mit dem Team konnte er den Text nicht flüssig vom Blatt ablesen. Die Situationen empfand er als peinlich und demütigend und versuchte, seine Schwierigkeiten mit Humor zu überspielen. Um sich diese Momente zu erleichtern, entwickelte der Schauspieler eine eigene Strategie: Er arbeitete sich Wort für Wort durch die Skripte und ließ sie sich möglichst frühzeitig aushändigen. So konnte er den Text nahezu auswendig lernen und ihn bei den Leserunden deutlich flüssiger vortragen, ohne dass seine Kollegen etwas bemerkten.
Dass er überhaupt Legastheniker ist, erfuhr Henry erst mit 31 Jahren – und zwar, nachdem sein junger Stiefsohn dieselbe Diagnose erhalten hatte. Seine erste Reaktion darauf war Wut: Jahrelang war er wegen seiner Schwierigkeiten gedemütigt und ausgeschimpft worden, häufig setzte es auch Hausarrest. Später lernte er, anders auf diese Erfahrungen zu blicken. Die ständige Herausforderung habe seine Beharrlichkeit "wie Stahl" werden lassen, erklärte er – ohne sie säße er heute womöglich nicht dort, wo er jetzt ist. Nach dem Ende von "Happy Days" erreichte der Schauspieler mit Produktionen wie "The Waterboy", "Arrested Development" und "Barry" gleich mehrere weitere Generationen. Für seine Darstellung des Schauspiellehrers Gene Cousineau in "Barry" wurde er 2018 schließlich mit seinem ersten Emmy ausgezeichnet. Und auch mit seinen 80 Jahren denkt der Schauspieler noch lange nicht an den Ruhestand.







