Sibel Kekilli erzählt von Angst vor der eigenen Familie
Sibel Kekilli (46) hat lange geschwiegen – nun bricht die Schauspielerin ihr Schweigen und spricht erstmals offen über die Gewalt, die sie in ihrer Kindheit erlebt hat. Im Gespräch mit dem Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo schildert sie eindringlich, wie tief die Erlebnisse in ihrer Familie sie bis heute prägen. "Ja. Ich hatte immer Angst um mein Leben. Es gab psychische Gewalt und physische Gewalt", erzählt sie und beschreibt, was ihr angetan wurde: "Sadistische Gewalt, würde man sagen, Gift. In mich wurde viel Gift geschüttet." Über Jahre sei die Gewalt Teil ihrer Erziehung gewesen.
Als Kind habe sie sich kaum getraut, Hilfe zu suchen – und wenn sie es doch tat, glaubte man ihr oft nicht. Das Schweigen hatte für Sibel auch einen Grund: "Opfer zu sein, hat was Beschämendes, es ist eine Schande, weil man als schwach abgestempelt wird." Mit 18 Jahren hatte sie einen deutschen Freund, zunächst heimlich. Als sie es ihren Eltern gestand, wurde die Kontrolle über sie noch stärker. Damals besaß sie noch keinen deutschen Pass, ihr türkischer Pass war zu Hause versteckt worden – sie fürchtete, in die Türkei verschleppt zu werden. Der später erhaltene deutsche Pass bedeutete für sie deshalb viel mehr als nur ein Dokument: "Das war meine Sicherheit. Ich wusste, ich kann nicht mehr verschleppt werden." Auch der Auszug aus dem Elternhaus war kein einfacher Schritt. Sibel beschreibt, dass psychische Gewalt Menschen innerlich gefangen hält: "Du bist im Kopf gefangen, du bist nicht frei!" Nach Jahren, in denen andere über sie bestimmt hatten, musste sie erst lernen, eigene Entscheidungen zu treffen.
Heute hält die Game of Thrones- und Tatort-Darstellerin bewusst Abstand zu ihrer Familie. "Ich nehme überwiegend aus der Ferne Anteil. Das ist für mich gesünder", sagt sie gegenüber der Zeit. Sibel wurde am 16. Juni 1980 in Heilbronn geboren und wuchs in einer türkischstämmigen Familie auf. Ihren Durchbruch als Schauspielerin feierte sie mit dem Film "Gegen die Wand" im Jahr 2004, für den sie den Deutschen Filmpreis gewann – zu einem Zeitpunkt, als sie das schwierige Kapitel ihrer Kindheit längst hinter sich gelassen hatte.









