Netflix-Doku "Inside the Manosphere": Reich durch Frauenhass
Louis Theroux nimmt in der Netflix-Dokumentation "Inside the Manosphere" eine lose Gruppierung von Influencern unter die Lupe, die Frauenhass zu ihrem Geschäftsmodell gemacht haben. Der britisch-amerikanische Journalist trifft in dem anderthalbstündigen Film unter anderem auf Nicolas Kenn De Balinthazy, besser bekannt als Sneako, sowie auf Harrison Sullivan und Myron Gaines. Die Männer gehören zur sogenannten Manosphere und vertreten die Ansicht, dass Feminismus und die sexuelle Selbstbestimmung von Frauen die Gesellschaft zerstören würden. Mit seiner ruhigen, skeptischen Art bringt Louis die selbsternannten Alpha-Männer jedoch schnell ins Schlittern – oft reichen dafür nur ein fragender Blick oder knappe Nachfragen.
Besonders deutlich wird das in einer Szene mit Sneako, der vor einem Kiosk wilde Verschwörungstheorien verbreitet und behauptet, Satanisten würden die Welt kontrollieren. Als Louis ihm trocken bescheinigt, verrückt geworden zu sein, und ihn dann einfach nur anschweigt, verliert der Influencer sichtlich die Fassung. Auch Harrison Sullivan gerät unter Druck, als Louis dessen Mutter zum Gespräch dazuholt, die ihrem Sohn vor der Kamera widerspricht. Harrison gibt schließlich offen zu, "Clip-Farming" zu betreiben – also bewusst kontroverse und radikale Aussagen zu platzieren, um Aufmerksamkeit und damit Geld zu generieren. Andrew Tate, der unter anderem wegen des Verdachts der Vergewaltigung und des Menschenhandels angeklagt ist und als König der Szene gilt, taucht in der Doku nicht persönlich auf.
Abseits der lauten Auftritte der Influencer richtet sich der Film auch an Eltern und Angehörige, die kaum einschätzen können, wie stark solche Inhalte auf Teenager wirken. In Großbritannien sorgte bereits die fiktive Netflix-Serie "Adolescence" für Diskussionen, weil dort ein 13-Jähriger nach der Radikalisierung durch Manosphere-Clips zur Gewalttat schreitet, während sein Umfeld ahnungslos bleibt. Das Thema digitale Gewalt, das eng mit solchen Bewegungen verknüpft ist, rückte in Deutschland zuletzt auch durch Collien Fernandes (44) in den Fokus. Die Moderatorin hatte sich in der Tagesschau dazu geäußert und erklärt, dass digitale Gewalt reale Gewalt sei, unter der Opfer massiv leiden würden. Fachleute warnen seit Längerem, dass Hass im Netz reale Folgen haben kann und Betroffene oft therapeutische Hilfe brauchen.









