Ein neuer Olympia-Tag, ein neues Drama - und wieder traf es einen deutschen Turner. Eigentlich wollte Andreas Bretschneider bei den Olympischen Spielen in Rio Geschichte schreiben und einen von ihm kreierten Doppelsalto vor dem internationalen Kampfgericht präsentieren. Aber dann landete er unsanft auf dem Boden: Der Traum von Gold war damit ausgeträumt.

Turner Andreas Bretschneider
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Turner Andreas Bretschneider

Der Turner hat das schwierigste Reck-Element der Welt erfunden: Einen Doppelsalto mit Doppelschraube in gestreckter Ausführung. Hört sich riskant an - und ist es auch. Dennoch wollte Andreas mit dem Turnelement, das seinen Namen "Bretschneider" trägt, in Brasilien unbedingt an den Start gehen. Vier Jahre hatte er auf diesen Moment gewartet, jeden Tag hart dafür trainiert. Doch sowohl in der Qualifikation für das Einzelgerät Reck, für das er sich sogar Medaillenchancen ausgerechnet hatte, als auch im Teamfinale stürzte der 27-Jährige beim Versuch, die einfachere Variante des Elements mit einem gehockten Doppelsalto zu turnen. "Den habe ich in Rio von 20 Versuchen 19 Mal geschafft", hatte er hinterher im Interview gehadert.

Andreas Bretschneider beim Turnen am Reck bei Olympia 2016
Matthias Hangst / Staff
Andreas Bretschneider beim Turnen am Reck bei Olympia 2016

Im gestrigen Einzel-Mehrkampffinale stürzte er bei der schwierigen Version der Übung zum dritten Mal, landete am Ende auf dem 20. Platz - den Sieg holte der Japaner Kohei Uchimura. Ärgerlich, weil dem Athleten das Kunststück schon vor den Augen der Konkurrenz gelungen ist: "In der Einturnhalle hat es einmal funktioniert, aber was soll's. Es geht weiter. Der Szenen-Applaus der Japaner ist schön und gut, aber es ist bitter, dass es im Wettkampf nicht geklappt hat. Ich bleibe dran", sagte der Turner nach seiner Niederlage und versprach, dass er es bei den nächsten Olympischen Spielen wieder mit dem "Bretschneider 2" versuchen wird.

Andreas Bretschneider am Reck bei Olympia 2016
Matthias Hangst / Staff
Andreas Bretschneider am Reck bei Olympia 2016

Immerhin: Unter den Kollegen hat er "dank" seiner Übung schon einen Spitznamen: "Lemming". Weil den Lemmingen nachgesagt wird, Selbstmord zu begehen. Kollege Marcel Nguyen (28) sagte augenzwinkernd: "Breiti ist unser Lemming. Weil Lemminge dafür bekannt sind, sich nach geraumer Zeit ohne Grund von der Klippe zu stürzen und umzubringen. Er versucht das seit Jahren in der Turnhalle, zum Glück ist es ihm noch nicht gelungen."