"Extremer Hass": Kaulitz-Zwillinge rechnen mit der Heimat ab
Wer glaubt, für Bill (36) und Tom Kaulitz (36) sei die Musik das Wichtigste auf der Welt, wurde nun eines Besseren belehrt. In der ZDF-Sendung "Aspekte" mussten sich die Zwillinge einer wirklich fiesen Entweder-oder-Frage stellen: nie wieder Musik machen – oder für immer zurück in ihr Heimatdorf Loitsche bei Magdeburg. Lange überlegen mussten die beiden nicht. Die Entscheidung fiel klar gegen Sachsen-Anhalt, selbst wenn damit das Ende der Karriere von Tokio Hotel besiegelt wäre. "Wir wollten natürlich immer da raus", erklärte Tom in der Sendung den Wunsch, der die Brüder schon als Jugendliche umtrieb. Der rund 600-Einwohner-Ort war für die heute 36-Jährigen nie ein Sehnsuchtsziel. Inzwischen haben Bill und Tom ihren Lebensmittelpunkt rund 9.000 Kilometer entfernt gefunden: in Los Angeles, wo Palmen statt Feldwege das Straßenbild prägen.
Dass die Abneigung so deutlich ausfällt, hat gute Gründe. In ihrer Jugend seien die Brüder in Loitsche wegen ihres Aussehens zur Zielscheibe geworden. Tom trug damals Dreadlocks und ein Shirt mit der Aufschrift "Nazis raus", Bill fiel mit schwarz gefärbten Haaren, Make-up und lackierten Fingernägeln auf. In einem kleinen Dorf war das offenbar Grund genug für Feindseligkeiten. "Leute wollten auf uns draufpinkeln und uns die Zähne austreten", schilderte Bill die Drohungen und sprach rückblickend von einem "extremen, extremen Hass". Zeitweise sei die Situation so bedrohlich gewesen, dass ihr Stiefvater die Zwillinge lieber persönlich abholte – im Gepäck ein Hund und ein Baseballschläger. Ein Stück Freiheit bedeuteten für die beiden damals Ausflüge ins nahe gelegene Magdeburg, wo sie ihrem Heimatdorf für ein paar Stunden entkommen konnten.
Das schwierige Verhältnis zu Loitsche beschäftigt Bill und Tom bis heute. In der aktuellen Staffel ihrer Netflix-Dokuserie "Kaulitz & Kaulitz" reisten sie noch einmal an den Ort ihrer Kindheit und trafen dort auf frühere Weggefährten. Tom fand für das Dorf ein deutliches Wort und nannte es rückblickend ein "Gefängnis". Es gibt aber auch Kapitel ihrer Vergangenheit, die die Musiker gern wieder aufschlagen: Vor Kurzem besuchten die Brüder in Vögelsen bei Lüneburg ihren einstigen Produzenten und Entdecker Peter Hoffmann. Er begleitete die Entwicklung der Zwillinge von der Schülerband zum international erfolgreichen Act maßgeblich mit. Das Wiedersehen blieb weitgehend privat – Presse und Fotografen hatten bei dem Termin keinen Zutritt. Ein Filmteam war allerdings dabei und hielt die Begegnung für eine geplante Dokumentation über die Geschichte von Tokio Hotel fest.









