Warum Anna Kendrick beim Casting absichtlich albern war

Warum Anna Kendrick beim Casting absichtlich albern war

- Hannah Kändler
Lesezeit: 3 min
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Anna Kendrick (41) hat beim Zurich Film Festival einen ungewöhnlichen Einblick in ihre Arbeitsweise gegeben. Wie die Schauspielerin dort erzählte, überzeugt sie bei Vorsprechen ausgerechnet dann am meisten, wenn sie sich selbst keinerlei Chancen ausrechnet. Der fehlende Erfolgsdruck sorge dafür, dass sie deutlich entspannter in den Raum gehen könne. "Jedes Mal in meiner Karriere, wenn ich einfach dachte: 'Es besteht nicht die geringste Chance, dass ich diesen Job bekomme', habe ich meine absolut beste Arbeit geleistet - weil man vom Stress befreit ist", erklärte sie vor Publikum, wie Female First berichtet. Für die 41-Jährige hat sich ihre bescheidene Haltung damit zu einem wichtigen Bestandteil ihres Erfolgs entwickelt. Gerade wenn sie nicht mit einer Zusage rechnet, fühlt sie sich frei, eigene Ideen auszuprobieren und beim Vorsprechen ihren persönlichen Stil einzubringen. Bekanntheit erlangte Anna Kendrick unter anderem durch ihre Rollen in der "Twilight"-Saga und der "Pitch Perfect"-Reihe.

Ein Paradebeispiel dafür ist ihr Vorsprechen für das Comedydrama "Up in the Air" aus dem Jahr 2009, in dem sie später an der Seite von George Clooney (65) zu sehen war. Weil sie überzeugt war, dass man nach einer besonders eleganten Darstellerin suchte, ging sie ganz unbefangen an das Casting heran und spielte die Figur bewusst etwas unbeholfen. "Wenn ich gewusst hätte, dass wirkliches Interesse an mir besteht, hätte ich das Vorsprechen absolut vermasselt. Denn ich dachte einfach: 'Natürlich werden sie jemanden engagieren, der unglaublich elegant ist.' Ich ging hinein und spielte es unbeholfen und albern vor, und genau das brachte mir den Job, weil niemand sonst beim Vorsprechen so vorging", schilderte sie in Zürich. Ähnlich erging es ihr beim Casting für "Twilight". Jessica wurde im Buch und im Drehbuch als große, blonde, sportliche und beliebte Schülerin beschrieben – Eigenschaften, in denen Anna sich selbst offenbar nicht wiedererkannte. Umso mehr wunderte sie sich, überhaupt zu dem Vorsprechen eingeladen worden zu sein.

Im Wartezimmer begegnete sie damals Mae Whitman (38), mit der sie sich prompt darüber wunderte, was sie überhaupt bei diesem Casting verloren hatte. Statt sich davon verunsichern zu lassen, setzte Anna erneut auf eine ungewöhnliche und humorvolle Interpretation – und überzeugte damit die Verantwortlichen. Dass hinter ihrer Laufbahn ein ausgeklügelter Plan steckt, verneinte die Schauspielerin bereits gegenüber der New York Times: "Falls man es noch nicht gemerkt hat: Ich habe nicht wirklich eine Karrierestrategie. Meine Entscheidungen basieren ausschließlich auf: 'Nun, ich bin verfügbar, und das ist etwas, worüber sich mein 15-jähriges Ich freuen würde.'" Geprägt habe sie dabei auch ihre Herkunft aus der Mittelschicht. "Wenn man in der Mittelschicht aufwächst, hat man einfach immer das Gefühl, arbeiten zu müssen, sonst kann man seine Rechnungen nicht bezahlen", erklärte sie, wie Female First berichtet. Auch wiederkehrende Rollenangebote sieht sie inzwischen gelassen. Ein Mitarbeiter aus dem Umfeld von Meryl Streep (77) habe ihr erzählt, dass selbst die vielfach ausgezeichnete Schauspielerin immer wieder Anfragen für ähnliche Figuren bekomme, die sie kurz zuvor bereits gespielt habe.

Anna Kendrick bei der Premiere von "Woman of the Hour" in Los Angeles
Getty Images
Anna Kendrick bei der Premiere von "Woman of the Hour" in Los Angeles
Anna Kendrick und George Clooney bei der "Up In The Air"-Pressekonferenz, Toronto 2009
Getty Images North America
Anna Kendrick und George Clooney bei der "Up In The Air"-Pressekonferenz, Toronto 2009
Anna Kendrick bei einer Sondervorführung von "Another Simple Favour" in London
Getty Images
Anna Kendrick bei einer Sondervorführung von "Another Simple Favour" in London
Hat Anna Kendrick ihren Erfolg gerade ihrer fehlenden Karriereplanung zu verdanken?