"Kitsch": Janosch über die Tigerente & seine dunkle Kindheit
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"Kitsch": Janosch über die Tigerente & seine dunkle Kindheit

- Yasmin Keller
Lesezeit: 3 min
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Die Welt der Kinderbücher trauert um einen ihrer prägendsten Künstler: Janosch (†67), der mit bürgerlichem Namen Horst Eckert hieß, ist am 3. November auf Teneriffa gestorben. Sein Verleger Bernhard Feil bestätigte die traurige Nachricht im Auftrag der Ehefrau des Zeichners gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Nach seinem Tod rückt nun ein überraschendes Detail in den Mittelpunkt: Ausgerechnet die gelb-schwarz gestreifte Tigerente, die zusammen mit Tiger und Bär Generationen von Kindern begeisterte, war offenbar nicht gerade das Lieblingsgeschöpf ihres Erfinders. "Ich halte die für Kitsch", erklärte Janosch bereits 2010 im Kulturjournal des NDR. Das Holztier habe er ursprünglich nur aus Hohn gezeichnet, weil auf dem Papier noch Platz gewesen sei. An anderer Stelle erzählte der Autor allerdings mehrere augenzwinkernde Varianten zu dessen Entstehung. Wie genau die Tigerente wirklich ihren Weg in seine Bilderwelt fand, lässt sich daher nicht eindeutig klären.

Die heile Welt seiner Bücher stand in krassem Gegensatz zu dem, was Janosch selbst als Kind erlebte. Er wuchs im oberschlesischen Hindenburg auf, dem heutigen Zabrze in Polen. Laut NDR war sein Vater alkoholkrank und gewalttätig – Schläge, Angst und Entbehrungen prägten seinen Alltag. Seiner Biografin Angela Bajorek vertraute er später an, selbst etwa 40 Jahre lang keinen Tag ohne Alkohol verbracht zu haben. Rund 45 Bücher seien unter dessen Einfluss entstanden. Zeitweise habe ihm das Trinken geholfen, belastende Erinnerungen zu verdrängen. Auf Bajoreks Frage, ob seine Geschichten ein Gegengift zu Hass, Gewalt und Alkohol in seiner Kindheit gewesen seien, antwortete er laut Welt knapp: "Exakt so." Freundschaft, Sicherheit und Geborgenheit, wie Tiger und Bär sie erleben, waren damit bewusst als Gegenwelt zu seinen frühen Erfahrungen angelegt. Später nutzte der Zeichner Yoga, um anders mit seinen Gedanken umzugehen. Der kommerzielle Erfolg der Tigerente wurde ihm zunehmend lästig, auch weil er die Rechte an ihr nach eigener Aussage nicht mehr besaß.

Sein persönlicher Favorit unter den eigenen Figuren war ohnehin ein ganz anderer. "Onkel Poppoff, weil er fliegen kann – ohne Flugzeug", verriet Janosch 2016 der Bild. Auch zu den Bären aus seiner Bilderwelt hatte er eine besondere Verbindung: "Am nächsten ist mir jeder Bär", erklärte er damals gegenüber der Zeitung. Seit den Achtzigerjahren hatte der Autor zurückgezogen auf Teneriffa gelebt, wo er nun auch verstarb. Bereits seit den Siebzigerjahren begleitete er mit Büchern wie "Oh, wie schön ist Panama" und seinen Figuren Tiger, Bär und Tigerente gleich mehrere Generationen von Lesern. Seine Bücher wurden millionenfach verkauft und in rund 40 Sprachen veröffentlicht. Im Zentrum seiner Erzählungen standen häufig Freundschaft, Mut und Geborgenheit. Immer wieder vermittelten sie zudem, dass großes Glück darin liegen kann, einen verlässlichen Menschen an seiner Seite zu haben.

Der Illustrator und Schriftsteller Janosch alias Horst Eckert bei der Eröffnung seiner Ausstellung im Koblenzer Ludwig Museum
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Der Illustrator und Schriftsteller Janosch alias Horst Eckert bei der Eröffnung seiner Ausstellung im Koblenzer Ludwig Museum
Kinderbuchautor und Illustrator Horst Eckert alias Janosch, November 1989
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Kinderbuchautor und Illustrator Horst Eckert alias Janosch, November 1989
Der Kinderbuchautor und Zeichner Janosch, mit bürgerlichem Namen Horst Eckert
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Der Kinderbuchautor und Zeichner Janosch, mit bürgerlichem Namen Horst Eckert
Janosch nannte die Tigerente "Kitsch" – wie seht ihr seine Kultfigur?