Schock-Interview von Paralympics-Star Marieke Vervoort. Es sind Aussagen, die einem die Tränen in die Augen treiben. Die charismatische Handbikerin plant ihren Tod. Marieke Vervoort ist eine der besten Behinderten-Sportlerinnen der Szene. 2012 holte sie sich bei den Paralympics in London Gold und Silber. Rio 2016 (7. bis 18. September) wird ihr letzter Wettkampf werden, denn sie will nicht mehr leben.

Marieke Vervoort
Francois Nel / Staff (Getty)
Marieke Vervoort

"Wir werden sehen, was das Leben nach Rio noch für mich bereithält. Ich werde versuchen, die schönen Momente so gut es geht zu genießen. Aber ich denke inzwischen sehr intensiv über Sterbehilfe nach", erklärte Vervoort in einem Interview mit der belgischen Zeitung L'Avenir. In Belgien ist seit 14 Jahren aktive Sterbehilfe erlaubt. Die Papiere dafür seien schon unterschrieben. In den vergangenen Jahren hatte sie immer wieder betont, dass es der Sport und der Wettkampf ist, der ihr Lebenswillen schenkt. Doch der scheint erloschen: "Rio ist mein letzter Wunsch, und dafür trainiere ich sehr hart, auch wenn ich Tag und Nacht mit meiner Krankheit zu kämpfen habe."

Marieke Vervoort beim Training
Instagram/Marieke Vervoort
Marieke Vervoort beim Training

In ihrer Jugend begannen die Lähmungserscheinungen. Seitdem schreitet die Krankheit kontinuierlich voran. Training ist für sie kaum noch möglich. Basketball, Golf, Triathlon, Surfen musste sie bereits aufgeben – ihre letzte Hoffnung auf paralympisches Gold ist das Handbike. "Eine Medaille ist möglich", gibt sie sich kämpferisch, obwohl sie ihre Beerdigung schon lange geplant hat. Es soll weder Kuchen noch einen Gottesdienst geben: "Jeder soll ein Glas Champagner in der Hand haben und an mich denken." Es ist zu hoffen, dass die Flaschen noch lange verkorkt bleiben und die leidenschaftliche Kämpferin sich der größten Herausforderung ihres Lebens weiter so tapfer stellt wie bisher.

Handbikerin Marieke Vervoort
Gareth Copley / Staff (Getty)
Handbikerin Marieke Vervoort