"Latte lag hoch": Désirée Nick über Erotik zu DDR-Zeiten
Kurz vor ihrem 70. Geburtstag erinnert sich Désirée Nick (69) daran, wie unterschiedlich Erotik in der DDR und in der Bundesrepublik zur Zeit der Wende wahrgenommen wurde. Im Interview mit dem Berliner Kurier schildert die West-Berlinerin, dass nach dem Mauerfall plötzlich überall in Ostdeutschland Pornoläden eröffneten – und dadurch aus ihrer Sicht ein völlig verzerrtes Bild westlicher Sexualität entstand. "Im Osten hatte man früher einen Wohnwagen am FKK-Strand auf Hiddensee und als die Mauer fiel, gab es plötzlich zwischen Binz und Bad Elster an jedem Bahnhof Pornoläden", erzählt sie. Die dort gezeigten Filme hätten für reichlich Verwirrung gesorgt: "Deswegen dachten die Ossis, das macht man so im Westen. Für die West-Frau lag die Latte recht hoch, denn man musste ja an die Erwartungen anknüpfen." Genau solche Erinnerungen an Ost und West verarbeitet die Entertainerin nun in ihrem neuen Programm "REFLECTION – Désirée Nick & Guests", das vom 25. September bis 4. Oktober 2026 im Wintergarten Berlin zu sehen ist.
Ihren eigenen Durchbruch verbindet die Autorin ebenfalls mit der gesellschaftlichen Umbruchszeit. Mit ihrer Show "Hängetitten de Luxe" wurde sie rund um den Mauerfall vor allem beim ostdeutschen Publikum bekannt. "Ich glaube, wäre die Mauer nicht gefallen, hätte ich mit meiner Skurrilität und Exzentrik gar nicht diesen Erfolg gehabt", stellt sie fest. In der ehemaligen DDR habe niemand geahnt, dass sie im Westen bis dahin kaum Erfolge verbuchen konnte – dort sei sie von Anfang an als bedeutende Künstlerin wahrgenommen worden. Ihren provokanten Stil zwischen Kabarett, Exzentrik und scharfzüngigem Humor entwickelte die in Charlottenburg aufgewachsene Comedienne in der Berliner Tucholskystraße, insbesondere im Club Zosch. Der Zuspruch von damals brachte sie schließlich auch auf die große Bühne des Maxim Gorki Theaters.
Mit "REFLECTION" lässt die Schauspielerin rund um ihren 70. Geburtstag am 30. September ihre Vergangenheit aufleben, richtet den Blick aber ebenso auf Gegenwart und Zukunft. Neben der Wende und den Unterschieden zwischen Ost und West geht es in dem Programm auch um das Älterwerden und um die Reibereien zwischen Boomern, Millennials und der Generation Z. Den Titel erklärt sie so: "Diese Reflektion kann sich auf die Vergangenheit beziehen, aber auch auf die Zukunft. Sie kann sich auf gesellschaftliche Themen beziehen, aber auch aufs Alter." Sich selbst bezeichnet die Berlinerin als "Mauerkind" – ihre persönlichen Erlebnisse vor und nach dem Mauerfall nutzt sie, um auf der Bühne verschiedene Lebenswelten und Generationen gegenüberzustellen. Dass ihr Geburtstagsprogramm im Wintergarten Berlin läuft, ist für sie kein Zufall: Sie schätzt die traditionsreiche Bühne und das besondere Ambiente des Hauses.









