Stefan Kretzschmar über Füchse-Aus: "Ein Stich ins Herz"
Stefan Kretzschmar (53) hat seine Freistellung als Sportvorstand der Füchse Berlin bis heute nicht abgehakt. In der sechsteiligen Dyn-Doku "Grip of Glory" spricht der frühere Handballnationalspieler ungewöhnlich offen über das überraschende Ende seiner Zeit bei dem Berliner Verein im September 2025. Die Entscheidung von Vereinsmacher Bob Hanning traf ihn hart – zumal die Füchse damals sportlich erfolgreich unterwegs waren. Welche Lehre er aus dem Aus gezogen hat, formuliert Stefan in der Dokumentation unmissverständlich: "Mein Learning nach der Freistellung war für mich tatsächlich: Jeder ist ersetzbar! Und niemand ist unantastbar." Damit macht der ehemalige Sportvorstand deutlich, dass ihn der Rauswurf nicht nur beruflich, sondern auch persönlich lange beschäftigt hat. Sein Blick zurück fällt entsprechend nüchtern und gleichzeitig bitter aus.
Vor allem aus sportlicher Perspektive kann Stefan Bobs Vorgehen bis heute nicht nachvollziehen. Seiner Ansicht nach hätte der Klub die erfolgreiche Phase weiter nutzen sollen, anstatt mitten im sportlichen Höhenflug personelle Konsequenzen zu ziehen. In der Doku bringt er seine Haltung deutlich auf den Punkt: "Meine Logik im Leistungssport ist: Reite die Welle, solange du kannst! Und wenn du nicht mehr erfolgreich bist, dann musst du dir überlegen, was ist die Alternative, was ist der Plan B. Deswegen kann ich die Entscheidung nicht nachvollziehen. Rein aus Leistungssportsicht." Hinter der sachlichen Kritik steckt jedoch weiterhin viel persönliche Enttäuschung. Als Stefan auf seine Gefühle im Hinblick auf Bobs Entscheidung angesprochen wird, bremst er sich selbst. "Boah, da muss ich jetzt so aufpassen, was ich jetzt öffentlich sage. Weil die Antwort wäre zu brutal. Die ehrliche Antwort wäre persönlich, die wäre nicht auf rationalem Niveau", gesteht er und macht damit deutlich, wie tief der Rauswurf noch immer sitzt.
Besonders verletzt habe Stefan, der schon als Sportler wegen seiner Mutter sehr ehrgeizig war, die Erfahrung, dass der Verein seinen Weg nun einfach ohne ihn fortsetzt. "Was so aus dem Ego-Gefühl heraus wehtut: Es geht für alle weiter. Aufgrund deiner Eitelkeit ist das ein Stich ins Herz und tut weh", räumt der frühere Nationalspieler ein. Zugleich beschreibt er, wie er mit dieser Kränkung umgehen möchte: "Dieses Messer musst du irgendwann rausziehen. Du musst einen Weg finden, damit umzugehen, und deinen Frieden damit machen." Stefan war im September 2025 nicht der Einzige, der die Füchse verlassen musste. Zeitgleich trennte sich der Klub auch von Meistertrainer Jaron Siewert. Gerade diese Personalie sei Bob besonders schwergefallen. "Ich habe mit der Entlassung von Jaron lange gestruggelt. Diese Entscheidung war für diesen Verein alternativlos. Sie war für mich brutal, sie war für mich grausam, es gab für mich Anfeindungen", berichtet der Berliner Macher über die damaligen Konsequenzen. Die Entscheidung gegen Kretzsche brachte ihm ebenfalls Gegenwind ein – und sorgt auch bei Stefan selbst nach wie vor für Unverständnis.









