

Jessica von Bredow-Werndl verrät, was ihr wirklich Halt gibt
Als Kind war Jessica von Bredow-Werndl (40) alles andere als eine laute Draufgängerin – sie war schüchtern und suchte lieber die Nähe von Tieren als die von Menschen. Im Gespräch mit Bild auf Gut Aubenhausen bei Rosenheim erinnert sich die Dressurreiterin daran, wie sie sich nach schlechten Schulnoten oder in traurigen Momenten in den Stall zurückzog. Dort setzte sie sich einfach in eine Pferdebox und fühlte sich sofort geborgen. "Die Pferde haben sich mein Leid angehört. Sie waren wie Therapeuten für mich", erzählt sie dem Blatt über ihre stillen Zuhörer. Heute lebt die 40-Jährige mit ihrem Mann Max, den beiden Kindern und weiteren Familienmitgliedern auf dem Gut. Und obwohl sie vier olympische Goldmedaillen gewonnen hat, nennt sie auf die Frage nach ihrem wichtigsten Lebenserfolg nicht den Sport: "Meine Kinder. Ich bin erst richtig erfolgreich geworden als Mama."
Schon als kleines Mädchen sei sie "total tierverrückt" gewesen, wie sie im selben Interview verrät. Im Umgang mit Tieren fühlte sie sich sicherer als in Gesprächen mit anderen Menschen – täglich wartete sie darauf, endlich wieder zu den Pferden zu dürfen. Der Weg an die Spitze verlief allerdings keineswegs geradlinig. Nach ersten Erfolgen im Nachwuchsbereich folgte eine Durststrecke von sechs bis sieben Jahren ohne einen einzigen Sieg. In dieser Zeit studierte sie Marketing und Kommunikation, ließ sich zur Ernährungstrainerin ausbilden und leitete ein Fitnessstudio. Mitte 20 fiel dann die Entscheidung, noch einmal alles auf den Reitsport zu setzen. Mit sich selbst vereinbarte sie eine klare Deadline: Bis zu ihrem 30. Geburtstag sollte der Durchbruch gelingen. Sie maß sich gezielt mit der Weltspitze, analysierte die Ritte der Besten und arbeitete sich von hinteren Platzierungen nach vorn. Mit ihrer Stute Dalera holte sie schließlich in Tokio und Paris jeweils Einzel- und Mannschaftsgold.
Wie sehr ihre Familie sie geprägt hat, macht Jessica ebenfalls deutlich. Ihre Mutter habe ihr früh vermittelt, dass ihr Wert als Mensch nicht von Erfolgen abhängt. "Egal, wie es läuft, ich liebe dich trotzdem", habe sie zu ihr gesagt. Dieses Gefühl half der Sportlerin auch vor den Olympischen Spielen. "Die Liebe meiner Familie, meiner Kinder bleibt – auch ohne Medaillen. Denen ist völlig wurscht, ob ich Erste oder Letzte werde. Hauptsache, die Mama kommt wieder nach Hause", schildert sie gegenüber Bild. Ihren Mann Max lernte sie mit 23 Jahren bei einem Studentenreiterball kennen. Zunächst wartete sie ab, merkte aber schnell, dass er ein Partner fürs Leben sein könnte. Erst später erfuhr sie, dass Max schon zuvor ein Titelbild von ihr aus einer Pferdezeitschrift in seinem Spind hängen hatte. Heute lebt das Paar mit den neun und vier Jahre alten Kindern auf Gut Aubenhausen.







