"Ausgeliefert": Marie Zielcke erlebte Machtmissbrauch am Set
Marie Zielcke (47) erhebt schwere Vorwürfe gegen die Film- und Fernsehbranche. Im Interview mit dem Magazin Playboy spricht die Schauspielerin offen über Machtmissbrauch, den sie im Laufe ihrer Karriere am Set erfahren habe – mal in sexuell geprägter Form, mal in Gestalt von Psychoterror. Schon in den 1990er-Jahren und auch in den Jahren danach habe sie "unfassbare Dinge" erlebt. Vor allem eine Erfahrung aus ihrer Jugend belastet sie bis heute: Als Minderjährige musste sie sich nackt vor der Kamera zeigen, ohne die Unterstützung eines Intimacy-Coaches, wie sie bei vergleichbaren Dreharbeiten inzwischen üblich ist. Sie habe sich den Blicken der Menschen am Set damals völlig schutzlos ausgeliefert gefühlt. "Es hat niemanden interessiert, wie mies ich mich dabei gefühlt habe", erinnert sich die Ex-Freundin von Schauspieler Christoph Maria Herbst (60). Aus allen Situationen sei sie zwar glimpflich herausgekommen, betont die Schauspielerin. Spurlos an ihr vorbeigegangen sind die Erlebnisse jedoch nicht – sie prägen bis heute, unter welchen Bedingungen sie überhaupt noch Rollen annimmt.
Auch abseits der Drehorte sei die "Lammbock"-Darstellerin wegen ihres Körpers herabgewürdigt worden. Ein früherer Agent habe von ihr verlangt, bei Castings oder in Bewerbungsvideos einen großen Koffer hinter sich herzuziehen – damit ihr Hintern nicht zu sehen sei. Immer wieder habe er ihr das Gefühl gegeben, mit ihrem Aussehen falsch zu sein. "Das sollte kein junger Mensch, generell niemand, erleben müssen", zitiert Playboy sie. Auch körperliche Veränderungen wurden negativ bewertet: "Ich habe zu spüren bekommen, wie abwertend mein Körper betrachtet wurde, weil ich nicht mehr 50 Kilo gewogen habe." Entsprechend genau schaut sie heute hin, bevor sie zusagt: Einen Job nehme sie nur noch an, wenn klare Strukturen existieren und bei Fehlverhalten von Mitarbeitern von einer übergeordneten Stelle eingeschritten wird. Aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen warnte sie ihre Tochter immer wieder vor einer Karriere in der Schauspielbranche. Sie hätte es mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können, die inzwischen 22-Jährige in diesem Beruf arbeiten zu lassen. Die junge Frau verfolgte schließlich andere Pläne und studiert inzwischen Jura.
Anlass für das Gespräch ist ein besonderes Projekt: Der aus Unter uns bekannte TV-Star ziert nackt und selbstbewusst das Cover der November-Ausgabe des Playboy. Die Fotostrecke entstand im Wiener Stundenhotel Hotel Orient. Letztlich möchte Marie verschiedene Erscheinungsformen weiblicher Erotik sichtbar machen und dem Jugendwahn, dem Perfektionsdruck sowie festgefahrenen Schönheitsidealen entgegentreten. Trotz ihrer Erfahrungen betont sie, keinem Perfektionswahn verfallen zu sein und sich nicht verstecken zu müssen. Dass sie ihre Kurven schön finden kann, sei ihr durch die jahrelangen Bewertungen anderer allerdings lange schwergefallen. Mittlerweile fühle sie sich grundsätzlich wohl in ihrer Haut – und habe keine Lust mehr, sich für ihren Körper zu rechtfertigen: "Es ist völlig okay, Unsicherheit zu spüren und Dinge zu sehen, die man nicht so mag. Aber heute kann ich sehr gut mit den schlechteren Tagen umgehen." Rückendeckung erhält sie dabei von ihrer Tochter, wie die Schauspielerin dem Magazin verrät: "Sie feiert mich! Ich bin so glücklich, dass sie liebt, was ich tue und wie ich bin. Sie ist vielleicht mein größter Fan!"





























