Keira Knightley (41) steht wieder im Londoner West End auf der Bühne, und zwar zum ersten Mal seit 15 Jahren. In Robert Ickes Theaterfassung des oscarprämierten deutschen Dramas "Das Leben der Anderen" spielt die Schauspielerin Christa-Maria, die selbst Schauspielerin ist. Das Stück läuft derzeit ohne Pause im Adelphi Theatre und ist dort noch bis zum 9. Januar zu sehen. Die Besetzung ist hochkarätig: "Bridgerton"-Star Luke Thompson (38) verkörpert den Dramatiker Dreyman, Stephen Dillane (69) übernimmt die Rolle des Stasihauptmanns Wiesler. Seite an Seite mit ihren Schauspielkollegen entführt Keira Knightley das Publikum in das von lückenloser Staatsüberwachung geprägte Ost-Berlin der 1980er-Jahre. Obwohl ihre Rolle der Christa-Maria an diesem Abend nicht die umfangreichste ist, zieht die britische Hollywoodgröße laut den Theaterkritiken mit ihrer glanzvollen Bühnenpräsenz sofort alle Blicke auf sich und avanciert zum absoluten Highlight des gesamten Stücks.
Ihre Figur teilt Tisch und Bett mit Dreyman, einem vom Regime gefeierten Schriftsteller. Das Paar ahnt jedoch nicht, dass die eigene Wohnung längst von der Stasi verwanzt wurde. Christa-Marias berufliche Zukunft liegt derweil in den Händen des skrupellosen Kulturministers Hempf. Dieser setzt die Schauspielerin sexuell unter Druck, will seinen vermeintlichen Rivalen Dreyman ausschalten und hat das Abhörmanöver höchstpersönlich initiiert. Wenn Keira Knightley schließlich bei einem Empfang der Künstlerszene das erste Mal die Bühne betritt, tut sie das in einer eleganten, goldenen Robe und mit einem entschlossenen Lächeln. Doch hinter der kühlen Fassade und ihren wachsamen Blicken wird die enorme innere Zerrissenheit der Figur spürbar. Robert hat mehrere Szenen, die im Original draußen spielen, in Innenräume verlegt. Dadurch wirkt die von Kontrolle und Angst bestimmte Stimmung noch beklemmender. Besonders heftig ist ein Moment, in dem Hempf die kniende Christa-Maria an den Haaren packt. Den drohenden sexuellen Übergriff stoppt erst eine Ablenkung, für die der entsetzte Wiesler sorgt, der alles mithört.
Vorlage für das Stück ist Florian Henckel von Donnersmarcks (53) Film "Das Leben der Anderen" aus dem Jahr 2006, der einen Oscar gewann. Im Zentrum des Dramas steht jedoch nicht nur das Paar, sondern vor allem das Seelenleben von Stasihauptmann Wiesler. Obwohl er eigentlich auf die beiden angesetzt ist, um sie lückenlos zu überwachen, regt sich in ihm immer mehr Empathie für seine Zielobjekte. Mitten im gnadenlosen Staatsapparat beginnt er schließlich, heimlich nach Wegen zu suchen, um die beiden vor dem System zu schützen. Im Programmheft der Produktion schreibt Florian über seine erfundene Geschichte, sie "könnte wahrer sein als eine tatsächlich wahre Geschichte". Auch die Inszenierung selbst macht die ständige Beobachtung sichtbar. Eine Drehbühne vermittelt das Gefühl, permanent kontrolliert zu werden. Wiesler steht teilweise mit Kopfhörern unsichtbar zwischen den Menschen, die er belauscht. Im Vergleich zu ihrer Hauptrolle in der Netflix-Spionageserie "Black Doves", die bald zurückkehrt, ist Christa-Maria für Keira eine kleinere Aufgabe. Trotzdem ist das Stück ihre erste West-End-Produktion seit 15 Jahren.
























