Bei den Oscars wird traditionell ganz bestimmten Kategorien stets am meisten entgegengefiebert: Wer wird wohl als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet, welche Dame darf sich am Ende des Abends stolz mit dem Titel "Beste Hauptdarstellerin" schmücken? Zum großen Finale steht zudem eine Kür an, die sich eine jede nominierte Produktion wohl nur allzu gerne sichern würde. Der Titel "Bester Film" trägt bereits einen wohligen Klang in sich, der verrät: Hier wurde Hollywood-Qualität für die Ewigkeit erschaffen! 2015 konkurrieren gleich acht Streifen darum, den Sieg davonzutragen.

Eddie Redmayne und Stephen Hawking
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Eddie Redmayne und Stephen Hawking

American Sniper

Bradley Cooper
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Bradley Cooper

Sechs Mal ist der Film, entstanden unter der Regie von Clint Eastwood (84), insgesamt im Rennen. Kein Wunder eigentlich, denn hier kommt einfach alles zusammen: Ein Altmeister fungierte hinter der Kamera, der Hauptdarsteller Bradley Cooper (40) ist zum dritten Mal in Folge in einer prestigeträchtigen Rolle zu sehen, die Handlung dreht sich um den Einsatz der US-Soldaten im Irak. Eine Geschichte, die auf wahren Geschehnissen basiert und sicherlich eine Story über einen Helden. Den Touch Patriotismus, den es braucht, um die Jury zu überzeugen, hätte dieses Werk auf jeden Fall!

Emma Stone, Michael Keaton und Edward Norton
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Emma Stone, Michael Keaton und Edward Norton

Selma

Ethan Hawke
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Ethan Hawke

Eine kleine Geschichtsstunde gefällig? Dann sollte man "Selma" nicht unbesehen an sich vorbeiziehen lassen. Immerhin entführt der Film in das Leben von keinem Geringeren als Martin Luther King, einer der größten Figuren der US-Bürgerrechtsbewegung überhaupt. Hauptdarsteller David Oyelowo wurde größtenteils von den Kritikern für seine Verkörperung des Pastors gelobt - eine Nominierung als bester Hauptdarsteller blieb dennoch aus. Biopics und historischer Stoff jedenfalls haben schon immer die Herzen der Academy berührt und speziell über Martin Luther King gab es noch keine emotionalere und dramatischere Produktion als diese.

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The Imitation Game

Ralph Fiennes
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Ralph Fiennes

Ein Streifen, der vor allen Dingen aufgrund von Benedict Cumberbatch (38) gehypt wurde, denn seine Leistung als Alan Turing ist schlichtweg bemerkenswert. Insgesamt darf man im Team auf acht mögliche Goldjungen hoffen: Auch der Regie-Oscar könnte im Übrigen an den verantwortlichen Maestro Morten Tyldum gehen. Beim New York Observer ist man sich jedenfalls ziemlich sicher, dass "The Imitation Game" eine der "wichtigsten Geschichten des vergangenen Jahrhunderts" erzähle und einer der "großartigsten Filme" des vergangenen Jahres wäre. Ob man das in Los Angeles ebenfalls so sieht?

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The Grand Budapest Hotel

Hier hatte Regisseur Wes Anderson seine Finger im Spiel, den man bekanntermaßen ziemlich gerne hat in Hollywood. "The Grand Budapest Hotel" kann man im weitesten Sinne als einen großen Schabernack bezeichnen, der vor allem von einem wunderbaren Cast lebt. Allen voran sei an dieser Stelle Ralph Fiennes (52) genannt, der manch einem Kritiker das Lob der "absoluten Perfektion" bei gleichzeitiger Lächerlichkeit entlockte. Kein Wunder, immerhin mimt der Schauspieler dabei einen Concierge, dem ein Mord unterstellt wird, welcher ihn in eine abenteuerliche Flucht treibt.

The Theory of Everything

Stephen Hawking (73) ist ein genialer Physiker, der "Erbe Einsteins" - und weiter? Dank des Filmes "The Theory of Everything" und einer intensiven Darstellung von Eddie Redmayne (33) und Felicity Jones (31) hat man bei diesem Werk die Möglichkeit, in die Geschichte einer Beziehung entführt zu werden, die inspirierend und berührend zugleich ist. Basierend auf der Biografie von Jane Hawking "Die Liebe hat elf Dimensionen" wird also auch hier wie in "The Imitation Game" eine britische Legende porträtiert. Brisanter Stoff, bewegend verpackt - hochgradig Oscar-würdig!

Whiplash

Viel Musik, noch mehr Indie-Einfluss - "Whiplash" riskierte aufgrund seiner künstlerischen Aufstellung, gar nicht erst groß beachtet zu werden, handelt es sich doch um alles andere als einen Film aus dem Mainstream. Die Academy hat diese kleine Perle aber nicht vergessen wollen: Immerhin fünf Mal ist das Werk nominiert. J.K. Simmons, der nach seinem Golden Globe-Sieg als Favorit in der Kategorie "Bester Nebendarsteller" gilt, trägt besonders dazu bei, dass aus dem Jazz-Drumm-Movie ein echtes Erlebnis wird.

Birdman

Sowohl Michael Keaton (63) als auch seine Nebendarsteller Edward Norton (45) und Emma Stone (26) haben in "Birdman" gezeigt, wie facettenreich sie aufspielen können, wenn sie nur wollen. Insgesamt neun Nominierungen hat der Streifen ergattern können, der dank seiner bittersüßen, schwarzen Komik zu einer Art "Showbusiness-Satire" gekrönt wurde. Ob dieser Humor auch jenen der Jury ganz treffen konnte? Viele setzen zumindest auf die Komödie als nächsten Preisträger in der Kategorie "Bester Film". Doch es gibt einen einzigen Konkurrenten, auf den noch mehr Wetten abgeschlossen sind...

Boyhood

Unter den acht Nominierten ist dieses wohl das ambitionierteste Projekt überhaupt! Richard Linklater (54) hat es geschafft, alles, was man bisher an Coming-of-Age-Filmen kannte, in den Schatten zu stellen: Immerhin dauerte es zwölf Jahre, bis "Boyhood" tatsächlich fertiggestellt wurde. Die Darstellerinnen und Darsteller altern ohne Tricks und Make-up vor den Augen des Publikums, ein natürlicher Effekt, dem man sich kaum entziehen kann. Schon allein die Produktionsgeschichte des Ganzen ist so außergewöhnlich, dass "Boyhood" von so manch einem Experten bereits zum Favoriten ausgerufen wurde. Aber sicher kann man sich nie sein...