Am Montag soll der wohl spektakulärste Sexprozess des Jahres endlich sein Ende finden. Mittlerweile ist es vier Jahre her, dass Gina-Lisa Lohfink (29) mit zwei Männern Geschlechtsverkehr hatte und Videos davon ins Netz gestellt wurden. Doch bis heute ist unklar, ob es sich bei den Geschehnissen in der verhängnisvollen Nacht am 2. Juni 2012 wirklich um eine Vergewaltigung gehandelt hat oder nicht. Das Problem: Das Gericht hat keine hieb- und stichfesten Beweise! Dass Gina-Lisa auf den Aufnahmen mehrfach “Hör auf!” ruft, ist für viele Anzeichen genug, dass der Sex nicht einvernehmlich war. Doch ganz so einfach ist der Fall leider nicht. Insbesondere die widersprüchlichen Aussagen im Laufe der Verhandlungen machen den Fall so verzwickt. Wir beleuchten für euch die genauen Hintergründe.

Gina-Lisa Lohfink bei der 80 Jahre Langnese Party im BeachCenter Wandsbek in Hamburg
gbrci / Future Image/ActionPress
Gina-Lisa Lohfink bei der 80 Jahre Langnese Party im BeachCenter Wandsbek in Hamburg

Die Strafanzeige
Wenige Tage nach der besagten Nacht mit den mutmaßlichen Tätern Pardis F. und Sebastian C. stellte Gina-Lisa zunächst lediglich eine Strafanzeige wegen “unerlaubter Verbreitung von Ton- und Bildaufnahmen”. In einem ersten Fax von Gina-Lisas Anwalt an die Staatsanwaltschaft ist noch von “einvernehmlichem Sex” die Rede. Die Blondine schickte dem Fußballer Pardis sogar noch liebevolle Textnachrichten mit den Worten “Geht’s dir gut? Ich vermisse dich.” oder “Würde jetzt so gerne in deinen Armen einschlafen.” Doch dann wendet sich das Blatt, die erste Aussage wird zurückgezogen. Circa zwei Wochen nach der Nacht, in der die Videos gedreht wurden, erstattet Gina-Lisa schließlich Anzeige wegen Vergewaltigung. Sie habe einen Filmriss gehabt, erst nachdem sie die Aufnahmen gesehen hat, sei ihr klar geworden, was wirklich passiert war.

Gina-Lisa bei ihren Fans vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten
Promiflash
Gina-Lisa bei ihren Fans vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten

Gina-Lisas Aussage
Gina-Lisa erklärt vor dem Amtsgericht Tiergarten, sie hätte einen kompletten Filmriss gehabt, äußert jedoch den Verdacht, man habe ihr K.-o.-Tropfen verabreicht. “Ich habe schon zweimal K.-o.-Tropfen gekriegt, mit 18 und mit 23, das fühlte sich genauso an wie damals”, erinnert sich das mutmaßliche Opfer. Das Problem ist jedoch, dass ein toxikologisches Gutachten negativ ausfällt, es können keinerlei Spuren einer solchen Substanz nachgewiesen werden. Gina-Lisa ruft in den Videos mehrfach “Nein” und “Hör auf”, doch das Gericht will selbst das nicht als Beweis für unfreiwilligen Sex werten. Es könne gut sein, so die Begründung, dass Gina nur einzelne Handlungen verweigert, oder sich daran stört, dass sie gefilmt wird. Ihre Glaubwürdigkeit leidet zudem darunter, dass sie kein ärztliches Attest für angebliche Wunden vorzeigen kann. Obwohl sie von Besuchen bei Haus- und Frauenärzten erzählt, kann sie keinen Namen eines behandelnden Mediziners nennen. Das Fazit: Ohne stichhaltige Beweise kann es zu keiner Verurteilung wegen Vergewaltigung kommen. Die beiden Männer werden also vom Verdacht der sexuellen Nötigung freigesprochen und müssen lediglich wegen der Verbreitung der Sexfilme eine Geldstrafe zahlen. Stattdessen steht dann plötzlich Gina-Lisa wegen einer mutmaßlichen Falschaussage am Pranger.

Gina-Lisa Lohfink bei der Premiere der Tanz-Show "The Great Dance of Argentina" im Musical Dome in
Christoph Hardt / Future Image/ActionPress
Gina-Lisa Lohfink bei der Premiere der Tanz-Show "The Great Dance of Argentina" im Musical Dome in

Die Aussagen der mutmaßlichen Täter
Pardis F. weist vor Gericht sämtliche Schuld von sich. Man habe den Sex genossen. Dass Gina-Lisa nach der Polizei gerufen hat, stimme nicht. “Ja. Ich hatte Sex mit ihr. Ja, wir waren zu dritt. Aber es war immer einvernehmlich. Sie hat voll mitgemacht. Ich hätte niemals etwas gemacht, was sie nicht wollte.“ Gina-Lisa habe angeblich sogar noch gescherzt: “Ihr beiden Schlingel, ihr immer mit euren Videos.” Den Strafbefehl habe der Fußballer akzeptiert, weil er einen zu großen Medien-Rummel vermeiden wollte, um seine Familie und seine Karriere zu schützen. Stutzig macht aber, dass sich Pardis F. nach der besagten Nacht mit folgenden Worten an Gina-Lisa wendet: “Ich habe Scheiße gebaut.” Die Anwälte des mutmaßlichen Opfers sehen darin eine Art Schuldeingeständnis für die Vergewaltigung, andere hingegen meinen, die Entschuldigung könnte sich auch lediglich auf die Verbreitung der Videos beziehen.

Gina-Lisa Lohfink beim Pre-Opening des 1. Harald Glööckler Stores in Berlin
Klaus Werner / Future Image/ActionPress
Gina-Lisa Lohfink beim Pre-Opening des 1. Harald Glööckler Stores in Berlin

Der zweite beteiligte Mann, Sebastian C., ist wenige Tage vor dem entscheidenden Prozesstag sogar gezielt an die Öffentlichkeit gegangen, um seine Sicht der Dinge darzustellen. "Es waren keine Drogen im Spiel und es hat auch keine Vergewaltigung stattgefunden. Ich habe nicht eine Sekunde gedacht, dass sich das 'Hör auf' auf den Sex beziehen könnte. Sie hat gesagt, 'Komm nicht so nah mit der Kamera, hör auf zu filmen'’, so seine Version im Sat.1 Frühstücksfernsehen. “Zum Verhalten von Gina-Lisa muss ich leider sagen, dass es nicht lobenswert ist, wenn ein Mensch vor Gericht lügt", klagt er in dem Interview an. Wer nun tatsächlich die Wahrheit sagt, entscheidet am Montag das Amtsgericht in Berlin.

Gina-Lisa Lohfink bei ihrem Gerichtsprozess im Juni 2016
Gettty Pool / action press
Gina-Lisa Lohfink bei ihrem Gerichtsprozess im Juni 2016

Wie sich der mutmaßliche Täter verteidigt, könnt ihr euch auch noch einmal in diesem Video ansehen.