Zeit vor Coming-out war für Thomas Hitzlsperger "die Hölle"

Zeit vor Coming-out war für Thomas Hitzlsperger "die Hölle"

- Nicole Vasiljuk
Lesezeit: 2 min
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Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger (44) hat vor seinem öffentlichen Coming-out jahrelang unter enormem Druck gestanden. Im Podcast "Wie geht's? Mit Robin Gosens" schildert der Fußballprofi offen, dass die Belastung schließlich sogar körperliche Auswirkungen hatte. Besonders herausfordernd sei es während seines halben Jahres bei Lazio Rom gewesen. Dorthin war Thomas im Januar 2010 nach seinem Abschied vom VfB Stuttgart gewechselt. Aus ständiger Angst, seine sexuelle Orientierung könnte im Fußballumfeld bekannt werden, habe er plötzlich unter Schweißattacken gelitten. Die Situation habe ihm deutlich gemacht, wie sehr ihn diese inzwischen belastete. Rückblickend bezeichnet der ehemalige Nationalspieler diese Zeit als "echt die Hölle". Dennoch dauerte es noch mehrere Jahre, bis er sich öffentlich zu seiner Homosexualität bekannte.

Schon mit Mitte bis Ende 20 fühlte sich der Fußballer in der Mannschaftskabine zunehmend fehl am Platz. Während seine Kollegen nach Frauen Ausschau hielten, wurde ihm klar: "Ich will einen Freund kennenlernen. Und das geht nicht." Eine Vertrauensperson im Vereinsumfeld habe es damals nicht gegeben. In Rom wollte Thomas schließlich nur noch weg. Seinem Trainer konnte er seine Lage jedoch nicht erklären. "Ich kann dem Trainer nicht erklären: 'Ich habe ein Problem, habe massive Ängste und schwul bin ich auch noch'", erinnert sich der Fußballprofi. Gleichzeitig erkannte er, dass er seine sexuelle Orientierung nicht länger verdrängen konnte. Bei seiner letzten Station beim FC Everton führte er 2013 bereits eine Beziehung. Doch erst im Januar 2014 und damit nach dem Ende seiner aktiven Fußballkarriere erklärte Thomas öffentlich, dass er homosexuell ist.

Zum Wendepunkt wurde eine sechsmonatige Reha am Tegernsee nach einer schweren Verletzung im Jahr 2010. "Diese sechs Monate haben mein Leben verändert", betont Thomas und nennt sie zugleich "mit die schönste Zeit meines Lebens". Seine sexuelle Orientierung verleugnete er unter anderem aufgrund seines familiären Hintergrunds: Thomas wuchs in einem katholischen Elternhaus auf und hatte nach eigener Aussage lange verinnerlicht: "Eines der schlimmsten Dinge ist, schwul zu sein, und dann trifft es mich." Später vertraute sich der Sportler jedoch seiner Familie und seinen Freunden an und erlebte positive Reaktionen. Vor vier Monaten zeigte Thomas dann, dass er nicht nur im Podcast offen spricht, sondern auch auf TikTok mitmischen will. Kurz vor der WM 2026 eröffnete er einen eigenen Account.

Thomas Hitzlsperger im Juli 2019 in München
Getty Images
Thomas Hitzlsperger im Juli 2019 in München
Robin Gosens im Juni 2021
Getty Images
Robin Gosens im Juni 2021
Josip Simunic und Thomas Hitzlsperger, Hertha gegen Stuttgart 2007
Josip Simunic und Thomas Hitzlsperger, Hertha gegen Stuttgart 2007
Thomas Hitzlsperger beschreibt die Zeit vor seinem Coming-out als "die Hölle": Wie bewertet ihr seine Offenheit?