Sylvester Stallone kämpfte mit Bulimie und nutzte Steroide
Sylvester Stallone (80) hat für seine berühmte Rolle als Rocky Balboa offenbar einen hohen gesundheitlichen Preis gezahlt. In einem ausführlichen Porträt der New York Times spricht der Schauspieler nun erstmals darüber, wie sehr sein Körperkult während der Dreharbeiten zu "Rocky III" außer Kontrolle geriet. Um den Boxer möglichst durchtrainiert auf die Leinwand zu bringen, senkte er seinen Körperfettanteil auf gerade einmal 2,6 Prozent – und entwickelte nach eigener Aussage eine Essstörung. "Dann wurde es zu einer Obsession. Richtig schlimm. Es kam so weit, dass ich bulimisch wurde. Das hört ihr hier zum ersten Mal", gesteht der Hollywoodstar dem Blatt. Er habe nichts bei sich behalten können oder es bewusst nicht gewollt. Dahinter habe die Fixierung gesteckt, sein damaliges Fitnessniveau um jeden Preis aufrechtzuerhalten. Rückblickend bezeichnet Sylvester sein Verhalten als eine Form von "obsessiver Körperverehrung". Damit enthüllt er eine bislang unbekannte Schattenseite jener körperlichen Verwandlung, die sein Auftritt in dem Boxerfilm verlangte.
Neben der Essstörung setzte Sylvester nach eigener Aussage auch auf leistungssteigernde Mittel. Für seine Darstellung von Rocky habe er Steroide in festen Zyklen genommen: Auf sechs Wochen Einnahme folgten jeweils sechs Wochen Pause. Welche Präparate es genau waren, lässt er offen. "Oh mein Gott, das muss man", antwortet er auf die Frage nach der Nutzung solcher Substanzen. "Die Leute sagen: 'Oh, so wird man nicht auf natürliche Weise.' Nein, wird man nicht. Aber auch das forderte einen schrecklichen Tribut", erklärt er. Der Druck auf Darsteller, die dauerhaft einen gestählten Körper vorweisen mussten, sei damals kaum anders zu bewältigen gewesen. Sechs Monate Training bei einer Ernährung aus Joghurt und Pudding hätten seiner Ansicht nach schlicht nicht ausgereicht. Seine extremen Körperideale prägten in den 1980er-Jahren nicht nur die "Rocky"-Reihe, sondern auch seine Auftritte als muskulöser Actionheld in den "Rambo"-Filmen. Der Schauspieler ist generell bekannt dafür, für seine Rollen bis ans Limit zu gehen. Beim Dreh des Actionfilms "The Expendables" im Jahr 2010 brach er sich einen Halswirbel – und drehte trotzdem einfach weiter.
Eine Veränderung brachte für Sylvester schließlich der Film "Cop Land" aus dem Jahr 1997. Darin spielte er Freddy Heflin, einen teilweise gehörlosen Sheriff aus New Jersey. Für diese Figur musste der Schauspieler nicht dem zuvor gepflegten Ideal eines maximal definierten Actionhelden entsprechen. Die Dreharbeiten hätten ihn deshalb "einigermaßen befreit", erklärt er gegenüber der New York Times. Beruflich sei der Schritt allerdings einschneidend gewesen: Danach sei alles "aus dem Ruder gelaufen", und er sei in Hollywood "in Ungnade gefallen". Die aktuellen Aussagen zeichnen rückblickend nach, wie eng das Verhältnis des Filmstars zum eigenen Körper über Jahre hinweg mit seinen berühmtesten Figuren verknüpft war – Rocky Balboa und John Rambo ließen ihm offenbar wenig Raum für Nachsicht mit sich selbst. Hinter seiner muskulösen Erscheinung und seinem harten Image steckten laut Sylvester jedoch Bulimie, eine extreme Reduzierung des Körperfettanteils und wiederholte Steroidzyklen.

























