

Royale Rebellion: Familienkrach erschüttert Liechtenstein
Im Fürstenhaus von Liechtenstein ist ein handfester Familienkonflikt entbrannt: Mehrere Mitglieder der Dynastie stellen sich offen gegen Erbprinz Alois, der seit 2004 stellvertretend für seinen Vater, Fürst Hans-Adam II., die Regierungsgeschäfte des Kleinstaates führt. Auslöser sind geplante Reformen innerhalb der Familie. Wie die Financial Times berichtet, werfen Kritiker dem Erbprinzen vor, unter dem Deckmantel moderner Neuerungen seinen Einfluss auf ihr Leben, ihre Titel, Wappen und ihre Zugehörigkeit zum Fürstenhaus ausweiten zu wollen. Einige der aufbegehrenden Prinzen sollen Alois sogar mit einer Klage gedroht haben. Dem Bericht zufolge lehnt etwa ein Drittel der rund 50 stimmberechtigten Prinzen die Pläne ab. Dabei geht es nicht allein um Macht und Mitspracherecht innerhalb der Dynastie, sondern auch um erhebliche finanzielle Interessen – schließlich könnten die Entscheidungen Auswirkungen auf mögliche Anteile am milliardenschweren Familienvermögen haben.
Zu den angekündigten Reformen gehören die Öffnung der Thronfolge für Frauen und die Einführung von Stimmrechten für weibliche Familienmitglieder bei internen Angelegenheiten. Die Gegner befürchten jedoch, dass weitere Änderungen dem Erbprinzen zusätzliche Entscheidungsbefugnisse über den dynastischen Status einzelner Verwandter einräumen könnten. Damit könnte auch die Frage berührt werden, wer künftig finanzielle Zuwendungen erhält. Ein wesentlicher Teil des Familienvermögens ist in der fürstlichen Privatbank LGT gebunden, die von Alois' jüngerem Bruder Prinz Max geführt wird. Ihr verwaltetes Vermögen wird für 2025 mit mehr als 400 Milliarden Dollar angegeben. Die ausgeschüttete Dividende soll umgerechnet rund 878 Millionen Dollar betragen haben. Brisant ist auch die besondere Staatsordnung Liechtensteins. Das bis ins Jahr 1136 zurückreichende Hausgesetz steht außerhalb der Verfassung. Zugleich verfügt das Staatsoberhaupt über weitreichende Befugnisse: Der Monarch kann Gesetze blockieren, die Regierung entlassen und das Parlament auflösen. Auch über die Familie hinaus sorgt Alois mit seiner Haltung zum Schwangerschaftsabbruch und den umfangreichen Machtbefugnissen des Fürstenhauses für Diskussionen. Zuletzt erschütterte zudem ein Hackerangriff das Vertrauen in den Finanzplatz Liechtenstein.
Alois wurde 1968 als ältester Sohn von Hans-Adam II. geboren und führt seit 2004 die Amtsgeschäfte des Fürstentums. Sein jüngerer Bruder Max steht seit 2006 an der Spitze der LGT. Nach seiner Ausbildung an der Militärakademie Sandhurst diente Alois als Leutnant bei den Coldstream Guards. Anschließend studierte er Rechtswissenschaften in Salzburg und arbeitete bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in London. 1996 kehrte er an den Familiensitz in Vaduz zurück. Lange galt der Erbprinz als moderner Vertreter der traditionsreichen Dynastie, der traditionelle Werte mit internationaler Diplomatie verbindet. Der offene Widerstand aus den eigenen Reihen stellt dieses Bild nun auf die Probe. Das Fürstenhaus, das über Jahrzehnte mit Kontinuität, Stabilität und Wohlstand in Verbindung gebracht wurde, muss sich zunehmend mit internen Machtkämpfen auseinandersetzen. Zur jüngeren Generation der Familie zählt auch Prinzessin Gisela Bergmann. Die 36-Jährige leitete zuvor das Vermögensverwaltungsgeschäft der Dynastie und wurde im August vom Papst mit der Verwaltung der vatikanischen Finanzen betraut.





















