Für Mikey Graham (54) stand die Rückkehr auf die große Bühne lange auf der Kippe. Im Juni trat der Boyzone-Sänger bei den Abschiedskonzerten der Band im Londoner Emirates Stadium wieder mit Ronan Keating (49), Shane Lynch (50) und Keith Duffy (52) auf. Doch ob er tatsächlich Teil der Shows sein würde, war bis zuletzt fraglich. Das geht aus der neuen Dokumentation "Boyzone: One For The Road" hervor. Seit der vorläufigen Trennung der Gruppe 2019 hatte sich Mikey weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und lebte abgeschieden auf dem irischen Land. Ein erneutes Konzert schien für ihn zeitweise kaum vorstellbar. Als er schließlich auch bei den gemeinsamen Proben fehlte, wuchs bei seinen Bandkollegen die Sorge, dass er ganz abspringen könnte. Mikey musste erst eine längere innere Auseinandersetzung durchstehen, bevor er sich zur Rückkehr entschloss. Am Ende wollte er sich seinen Ängsten stellen und beim letzten gemeinsamen Kapitel von Boyzone dabei sein.
In der Dokumentation spricht Mikey offen darüber, wie sehr ihn die vergangenen Jahre aus der Bahn geworfen hatten. "Ich hätte nie gedacht, dass es mir wieder gut genug gehen und ich stark genug sein würde, all das zu machen", gibt er zu. Zeitweise sei es für ihn schon eine große Herausforderung gewesen, morgens überhaupt das Bett zu verlassen. "Ich hatte gerade eine Scheidung hinter mir, mein Zuhause nach 30 Jahren verkauft und meine Mutter verloren, und ich war völlig am Boden, emotional völlig am Boden", erzählt der Musiker rückblickend. Gleichzeitig wollte er nicht riskieren, eines Tages den verpassten Abschied mit seinen Bandkollegen zu bereuen. Deshalb habe er sich intensiv mit der Entscheidung auseinandergesetzt und sich gefragt: "Kannst du mit dem Bedauern leben, das nicht gemacht zu haben?" Schließlich habe er sich selbst eine klare Antwort gegeben: "Ja, mach es. Mach es." Der Auftritt wurde für ihn offenbar zu einem besonderen Erlebnis. "Es fühlte sich großartig an", schwärmte Mikey anschließend. Besonders wichtig sei ihm gewesen, die Bühne mit erhobenem Kopf verlassen zu können. "Ich fühle mich geheilt", erklärte er. Die Dokumentation, für die bisher noch kein Deutschlandstart angekündigt ist, begleitet auch Ronan, Shane und Keith während der Vorbereitungen auf die letzten Konzerte und zeigt ihre Sorge um den zunächst fehlenden Bandkollegen.
Beim Abschiedskonzert "Two For The Road" ließ Mikey zunächst auf sich warten. Ronan, Keith und Shane starteten die Show ohne ihren Bandkollegen. Erst im weiteren Verlauf des Abends tauchte er auf: Eine Plattform beförderte ihn aus dem Bühnenboden nach oben. Seine drei Songs sang Mikey zunächst im Sitzen auf einem Hocker. Erst zum großen Finale, als Ronan seinen Solohit "Life Is A Rollercoaster" anstimmte, erhob er sich. In den sozialen Medien wurde Mikey wegen seines Aussehens teilweise mit verletzenden Kommentaren konfrontiert. Gleichzeitig erhielt er viel Zuspruch von Fans, die seine Rückkehr trotz der schwierigen persönlichen Umstände würdigten. In der Dokumentation geht es neben den letzten Konzerten auch um die jahrzehntelange gemeinsame Geschichte von Boyzone. Dabei kommen sowohl frühere Konflikte als auch die enge Verbundenheit der vier Musiker zur Sprache. Im Mittelpunkt steht ihr gemeinsamer Wunsch, mit der Bandgeschichte abzuschließen und einen persönlichen Frieden mit ihrer Vergangenheit zu finden.



























