Nach Betrugsvorwürfen: Biathlonstar Julia Simon gewinnt Gold
Der große Moment in Mailand: Julia Simon krönt sich am Sonntag, 8. Februar, zur Olympiasiegerin im Biathlon und läuft nach dem letzten Schuss im Zielraum in die Goldzone – begleitet von einem Spruch, der sofort für Raunen sorgt. TV-Kommentator Matt Iseman stichelt live on air: "Ich glaube, wir sind alle erleichtert, dass sie ihren Geldbeutel zu Hause lassen kann. Sie wird nichts kaufen", sagt er in der Übertragung. Die 29-Jährige, die seit Jahren zum Aushängeschild des französischen Teams zählt, feiert ihren Triumph ohne auf den Witz zu reagieren. An ihrer Seite jubelt Team Frankreich, während auf der Tribüne Fahnen wehen und die Hymne ansetzt: ein Comeback, das auf dem größten Sportparkett kaum größer sein könnte.
Denn noch 2025 stand Julia im falschen Rampenlicht: Vor Gericht entschuldigte sie sich für unerlaubte Kreditkartenabbuchungen, die laut Anklage Karten von Teamkollegin Justine Braisaz-Bouchet und einem Betreuer betrafen. "Ich kann es nicht erklären", sagte sie im Oktober in der Verhandlung und betonte, sie habe Therapie begonnen, "um all das zu verstehen, zu wachsen und mich weiterzuentwickeln". Das Urteil: schuldig wegen Diebstahls und Kreditkartenbetrugs, eine zur Bewährung ausgesetzte dreimonatige Haftstrafe plus eine Geldstrafe – sportlich gefolgt von einer sechsmonatigen Sperre, die ihre Olympia-Teilnahme allerdings nicht verhinderte. Im Vorfeld der Spiele erklärte sie im YouTube-Interview von Biathlonworld: "Es ist ein neuer Start für mich." Ihr Ziel formulierte sie klar: "Ich will eine olympische Goldmedaille." Am Schießstand behielt sie jetzt die Ruhe, auf der Loipe setzte sie sich ab und erfüllte sich genau diesen Wunsch.
Abseits der Ziellinie zeichnet sich ein Bild einer Athletin, die Struktur und handfeste Projekte sucht. Julia sprach zuletzt davon, nach der Saison an ihrem Zuhause zu werkeln, etwa an einem selbstgebauten Tisch – Details, die zeigen, wie sie zwischen Wettkampfmodus und Alltag wechselt und den Kopf frei bekommt. Der Traum von Olympia begleitet sie "seit langer Zeit", ihren Umgang mit Druck beschreibt sie als erlernte Stärke: nicht aufgeben, sich selbst vertrauen. Schon bei ihrem Debüt 2022 holte sie Silber in der Mixed-Staffel, im Weltcup überzeugte sie mit verbesserter Trefferquote im Liegendanschlag. In Frankreich ist sie nicht nur die Biathletin, sondern auch die Teamkollegin, die nach einem tiefen Einschnitt wieder Nähe sucht – auf der Strecke durch Führungsarbeit, im Leben durch greifbare Routinen. Heute trägt sie Gold um den Hals; der Blick bleibt dennoch auf das Nächste gerichtet, Schritt für Schritt.








