Opfer von Stalking: HoneyPuus Kollegen spielen es herunter
Seit anderthalb Jahren wird Isabell Schneider von einem Fremden massiv gestalkt. Der Mann, der psychische Probleme haben soll, verfolgt die unter dem Namen HoneyPuu (26) bekannte Twitch-Streamerin auf Social Media, bekundet dort öffentlich seine Liebe zu ihr und schildert sexuelle Fantasien mit ihr. Wenn die Streamerin in ihren Livestreams mit Männern interagiert, reagiert er mit Wut, beleidigt sie und fordert Zuwendung von ihr ein – obwohl es nie persönlichen Kontakt zwischen ihnen gab. Um die Situation nicht weiter zu verschlimmern, schwieg Isabell lange zu dem Fall. Doch während sie litt, zogen andere Influencer und Twitch-Stars das Thema vor Millionen Usern ins Lächerliche und witzelten über ihren Albtraum, wie sie nun auf Instagram berichtet.
Nun bricht die Social-Media-Bekanntheit ihr Schweigen und macht deutlich, wie sehr sie unter der fehlenden Unterstützung ihrer Kollegen leidet. Nach einem gut recherchierten Video von YouTuberin Jasmin Sibel, die unter dem Namen Gnu (36) bekannt ist und die Stalking-Verharmlosung deutlich kritisierte, blieb Isabell eine Woche lang ihren Livestreams fern. "Weil ich mir die ganzen Kommentare nicht durchlesen wollte", erklärt sie. Besonders schlimm: Kollegen, die zuvor mit Stalking-Scherzen Millionen Klicks erzielt hatten, gaben ihr sogar die Schuld für die daraus resultierenden Diskussionen. "Jetzt meinetwegen einen Shitstorm haben", warfen sie ihr vor. Ihre Appelle an die Vernunft seien gescheitert. "Ich habe auch versucht, ihnen zu erklären: 'Stellt euch mal vor, es ist eure Schwester, eure Mutter, eure Tante.' Und da wurde mir gesagt: 'Aber das bist du ja nicht, deswegen ist das was anderes'", berichtet Isabell. Einige hätten die Gefahren sogar völlig geleugnet und ihr gesagt: "Dir ist ja noch nichts passiert."
Obwohl viele Influencer selbst Erfahrungen mit übergriffigen Fans machen, mangele es an Verständnis für ihre Situation. "Viele haben selber solche Erlebnisse, aber fangen dann an, bei mir draufzuhacken", sagt die Streamerin. Trotz Zuspruch im Privaten habe sie niemand öffentlich verteidigt. "Da hat man wieder gesehen, wer eigentlich nur redet und wer wirklich hinter anderen steht – Hauptsache, das Image ist gut", resümiert sie auf Instagram enttäuscht. Als positive Ausnahmen lobt Isabell YouTuberin Gnu sowie Twitch-Star Elias Nerlich und Rapper Ali Buyame, die sich für sie eingesetzt haben. Sie hofft nun, dass durch die aktuelle Debatte endlich ein Umdenken in der Community stattfindet.





