So sehr beeinträchtigt die Sehschwäche Judi Denchs Alltag
Judi Dench (91) hat offen über die körperlichen Folgen ihrer Augenerkrankung gesprochen – und scheint dabei endgültig Abschied von Bühne und Kamera genommen zu haben. In der BBC-Radio-4-Sendung "Today" erzählte die Schauspielerin Moderatorin Emma Barnett, wie stark die altersbedingte Makuladegeneration inzwischen ihren Alltag dominiert. Gesichter kann sie kaum noch erkennen – gelegentlich steuert sie auf die falschen Menschen zu und setzt bereits zu einer Umarmung an, bevor ihr der Irrtum auffällt. Auch Farben verschwinden zunehmend aus ihrer Wahrnehmung. "Sie sagten, dieser Sommer sei mit den Glockenblumen absolut sensationell gewesen – ich konnte keine einzige sehen", gestand sie. Die Erkrankung verschlechtert ihr Sehvermögen seit Jahren Schritt für Schritt und zwingt die Schauspielerin dazu, sich in zentralen Bereichen ihres Lebens neu zu sortieren.
"Ich kann nicht mehr auf der Bühne stehen. Ich kann kein Theaterstück mehr machen. Ich kann keinen Film mehr drehen. Ich kann nicht mehr lesen", zählte sie auf. Ihr enger Freund und Co-Autor Brendan O'Hea erzählte, dass Judi ihre geliebten Aquarelle nicht mehr malen kann. Stattdessen reißt sie Tiere wie Schafe oder Einhörner aus Papier und macht daraus mit anderen einen kleinen Wettbewerb. Bei Spaziergängen durch ihren Garten helfen ihr Erinnerungen und die verbliebenen Seheindrücke. Dramatisieren will sie ihre Situation allerdings nicht: "Also muss man sich an all das anpassen, Rücksicht darauf nehmen, einfach weitermachen und nicht zu viel darüber nachdenken", erklärte sie im Interview. Auf die Frage nach dem Älterwerden antwortete sie knapp und deutlich: "Älterwerden? Mist. Es gibt überhaupt nichts Gutes darüber zu sagen. Gar nichts. Denk nicht zu viel darüber nach."
Die Diagnose altersbedingte Makuladegeneration erhielt die Britin bereits 2012. Schon früher hatte sie den fortschreitenden Sehverlust als niederschmetternd bezeichnet und erzählt, dass sie bei vielen Dingen im Alltag Unterstützung braucht. Ihre neuen Schilderungen zeigen nun, dass immer mehr Hürden dazukommen. Ihr Garten spielt für sie weiterhin eine besondere Rolle: Dort pflanzt sie Bäume als lebendige Erinnerung an verstorbene Menschen, die ihr nahestanden. Deren Farben und Konturen nimmt sie nur noch eingeschränkt wahr, doch sie weiß noch genau, wie sie aussehen, und achtet verstärkt auf ihre Beschaffenheit.
























