Ohne diesen Skandal wäre Elizabeth wohl nie Queen geworden
Ohne einen der größten Skandale der britischen Monarchie hätte Queen Elizabeth II. (†96) wohl nie die Krone getragen – oder zumindest nicht so früh.Ihr Onkel Edward VIII (†77) gab am 11. Dezember 1936 nach nicht einmal elf Monaten auf dem Thron freiwillig sein Amt als König auf – und zwar aus Liebe. Er wollte die zweifach geschiedene US-Amerikanerin Wallis Simpson (†87) heiraten. Die Beziehung des Königs zu der Bürgerlichen stieß jedoch bei der Königsfamilie, der Church of England und der Regierung auf massiven Widerstand und stürzte das Land in eine schwere Staatskrise. Nach Edwards Abdankung musste sein jüngerer Bruder King George VI (†56) die Herrschaft übernehmen. Dessen damals zehnjährige Tochter Elizabeth rückte dadurch unerwartet zur voraussichtlichen Thronfolgerin auf. Wie grundlegend diese Entscheidung das Leben von George und Elizabeth veränderte, zeigt die zweiteilige ARTE-Dokumentation "Edward vs. George: Die Windsors im Krieg". Dafür wurden auch teils bislang unbekannte Archivaufnahmen ausgewertet.
Kennengelernt hatten sich Edward und Wallis bereits 1931 auf einer Feier im Wochenendhaus seiner damaligen verheirateten Geliebten Lady Thelma Furness. Wallis selbst war zu diesem Zeitpunkt noch mit Ernest Simpson verheiratet. Die Königsfamilie hoffte, die Pflichten des Monarchen würden ihn von der Liebelei abbringen – doch Edward stellte seine Partnerin weiterhin an die erste Stelle und hielt an seinen Heiratsplänen fest. In seiner berühmten Radioansprache nach der Abdankung erklärte er: "Es ist mir unmöglich, die schwere Last der Verantwortung zu tragen und meine Pflichten als König zu erfüllen ohne die Hilfe und Unterstützung der Frau, die ich liebe." Während George VI. die Krone übernahm und die Monarchie stabilisierte, heirateten Edward und Wallis wenig später in Frankreich. Dort hatten sie dann auch ihren Hauptwohnsitz – außerhalb des Vereinigten Königreichs. Die ARTE-Doku zeichnet ein kritisches Bild des ehemaligen Königs. Biografin Sally Bedell Smith beschreibt ihn darin als verantwortungslos und pflichtvergessen. Auch Edwards Treffen mit Adolf Hitler im Jahr 1937 und der Aufenthalt des Paares auf den Bahamas während des Zweiten Weltkriegs, als Großbritannien schwer getroffen wurde, werden thematisiert. Die Doku ist auf arte.tv verfügbar.
König werden wollte ursprünglich keiner der beiden Brüder. Doch während Edward die Krone für sein privates Glück aufgab, stellte sich George den royalen Verpflichtungen und führte das Land durch die Jahre des Zweiten Weltkriegs. Die Abdankung belastete das familiäre Verhältnis nachhaltig – George musste plötzlich eine Rolle ausfüllen, auf die er nie vorbereitet worden war. Auch das Leben seiner jungen Tochter Elizabeth änderte sich unwiderruflich: Nach dem Tod ihres Vaters am 6. Februar 1952 bestieg sie den Thron und blieb bis zu ihrem Tod am 8. September 2022 Königin. Ihre historische Regentschaft wäre ohne Edwards Beziehung zu Wallis und seinen anschließenden Thronverzicht wohl nicht zustande gekommen. Sein Fall gilt zudem als bekanntes Beispiel dafür, dass britische Royals ihren Rang oder ihre Stellung verlieren beziehungsweise freiwillig aufgeben können. Jahrzehnte später musste auch Andrew Mountbatten-Windsor (66) infolge des Epstein-Skandals auf seine royalen Bezeichnungen verzichten und verlor seine Titel.





















