Zwei Brüder, US-Frauen, Flucht: Gibt es ein royales Déjà-vu?
Zwei Arte-Dokus rücken gleich zwei royale Bruderpaare in den Fokus – und die Parallelen sind kaum zu übersehen. Während "Harry vs. William - Der royale Bruderzwist" das angespannte Verhältnis von Prinz William und Prinz Harry unter die Lupe nimmt, blickt der Zweiteiler "Edward vs. George: Die Windsors im Krieg" zurück auf King Edward VIII. (†77) und dessen jüngeren Bruder King George VI (†56). In beiden Familiengeschichten geraten zwei Brüder aneinander. In beiden Fällen löst sich einer von ihnen aus dem engen Korsett des britischen Königshauses und kehrt Großbritannien den Rücken. Und in beiden Geschichten spielt eine US-Amerikanerin eine zentrale Rolle: An Harrys Seite steht die ehemalige Schauspielerin Herzogin Meghan (45), an Edwards Seite stand einst Wallis Simpson (†87). Anders als Meghan stammte Wallis allerdings nicht vom Filmset, sondern war eine Society-Lady. Beide waren jedoch geschieden. Dennoch ähneln sich die Grundmotive beider Geschichten deutlich: Liebe, royale Pflichten und der Wunsch nach einem Leben fernab des engen höfischen Korsetts brachten jeweils zwei Brüder gegeneinander auf.
Edward verzichtete 1936 auf den britischen Thron, weil er die geschiedene Wallis heiraten wollte. Anschließend lebte das Paar überwiegend außerhalb Großbritanniens. Sein jüngerer Bruder George musste die Krone völlig unerwartet übernehmen und wurde als George VI. König. Ein ähnliches Muster zeigte sich rund 84 Jahre später: Harry zog sich 2020 gemeinsam mit Meghan von seinen Aufgaben als arbeitender Royal zurück und ließ sich mit seiner Familie in den USA nieder. William blieb dagegen im Zentrum der Monarchie und trägt inzwischen als direkter Thronfolger den Titel Prinz von Wales. Gleichsetzen lassen sich die beiden Fälle trotz der ähnlichen Motive aber nicht. Edward saß bereits auf dem Thron und verursachte durch seine Abdankung eine Verfassungskrise. Harry stand in der Thronfolge viel weiter hinten, verzichtete weder auf eine Krone noch auf seinen Prinzentitel und blieb damit trotz seines Rückzugs Teil der königlichen Familie.
Zwischen William und Harry soll seit Jahren kaum noch Kontakt bestehen. Verschärft wurde der familiäre Bruch durch Harrys öffentliche Aussagen über das Königshaus und die sehr persönlichen Schilderungen in seiner Autobiografie "Reserve". Auch Edward veröffentlichte damals ein Buch: "Die Geschichte eines Königs: Die Memoiren des Herzogs von Windsor". Royalexpertin Jennie Bond erklärte zuletzt gegenüber i newspaper, dass sich William von seinem jüngeren Bruder zutiefst hintergangen fühle. Vor allem Harrys öffentliche Enthüllungen stecken ihrer Einschätzung nach hinter dem anhaltenden Groll des Prinzen von Wales. Damit verbindet die beiden Bruderpaare neben der historischen auch eine sehr persönliche Dimension: Entscheidungen über Liebe, Loyalität und ein Leben jenseits der Palastmauern haben das Verhältnis der Geschwister nachhaltig geprägt – und die ganze Familie gleich mit. Dass die verfassungsrechtlichen Folgen dabei sehr unterschiedlich ausfielen, ändert an der Grundkonstellation wenig.























