Bei Norwegens Königsfamilie plant man besonders weit voraus: So weit, dass die betroffene Person noch nicht einmal auf der Welt ist. Am Dienstag hat das norwegische Parlament in Oslo eine Verfassungsänderung beschlossen, die einem noch ungeborenen Royal schon jetzt eine mögliche Aufgabe zuweist. Wie der Instagram-Account Stortinget berichtet, geht es konkret um eine neue Vertretungsregel. Sollten König Haakon VIII. (53) und seine Tochter, Kronprinzessin Ingrid Alexandra (22), eines Tages gleichzeitig verhindert sein, könnte das älteste Kind der Kronprinzessin vorübergehend die Aufgaben des Staatsoberhaupts übernehmen. Ganz ohne Bedingungen geht das allerdings nicht: Das Kind muss mindestens 18 Jahre alt sein. Außerdem muss es zu diesem Zeitpunkt in der Thronfolge an nächster Stelle stehen. Bislang hat Ingrid Alexandra, die 22 Jahre alt ist, noch keine Kinder. Praktisch relevant werden kann die neue Regel deshalb erst in einer späteren Generation.
Hintergrund der Neuregelung ist eine Schwachstelle im bisherigen System. Fallen sowohl der Monarch als auch der direkte Thronfolger aus, übernimmt bislang die norwegische Regierung bestimmte Aufgaben des Staatsoberhaupts. Diese Lösung hat jedoch einen Haken: Vor allem während eines Regierungswechsels könnte sie zu komplizierten Abläufen führen. Mit der Verfassungsänderung soll deshalb sichergestellt werden, dass in einem solchen Fall ein weiteres Mitglied der Königsfamilie die verfassungsmäßigen Pflichten erfüllen kann. Wichtig dabei: Der Beschluss schafft nämlich nur die rechtliche Grundlage. Eingreifen dürfte Ingrid Alexandras ältestes Kind erst dann, wenn wirklich alle Bedingungen erfüllt sind. Außerdem müssten weder Haakon noch Ingrid Alexandra in der Lage sein, ihre Aufgaben auszuüben. Bis zum ersten offiziellen Einsatz des noch ungeborenen Royals müssten also einige Dinge zusammenkommen.
Ursprünglich war die Regelung übrigens für jemand ganz anderen gedacht. Als der Vorschlag im Jahr 2024 eingebracht wurde, saß noch Ingrid Alexandras Großvater König Harald auf dem Thron, ihr Vater Haakon war damals Kronprinz. Die Prinzessin hätte die beiden also vertreten sollen, falls sie gleichzeitig ausgefallen wären. Doch dann änderte sich die Lage im norwegischen Königshaus grundlegend: Nach dem Tod von König Harald V. (†89) am 28. August 2026 rückte die Thronfolge eine Stufe weiter. Haakon bestieg als König Haakon VIII. den Thron, seine Tochter wurde zur Kronprinzessin. In ihrer neuen Rolle darf Ingrid Alexandra ihren Vater bereits ganz offiziell vertreten. Die ursprünglich für sie gedachte Regel braucht sie deshalb nicht mehr. Stattdessen betrifft die nun beschlossene Verfassungsänderung ihr mögliches ältestes Kind und damit die nächste Generation der norwegischen Königsfamilie.
























